gorilaura

Back in Japan

im Ausland leben 25. Mai 2012

Filed under: Land und Leute,Uni und Alltag — loerchen @ 1:42 am

Achja, ich weiß auch nicht, warum ich diese Woche so schreibfreudig bin. Irgendwie geht mir viel im Kopf rum und es ist ja auch nichts Schlechtes nach langer Zeit nochmal längere deutsche Texte zu schreiben.

Gestern war ein recht -wie soll ich sagen- nerviger Tag… Es wird von Tag zu Tag wärmer und teilweise auch drückender, was bedeutet, dass man sich in den vollen Zügen schon recht zusammenreißen muss. Dann haben wir in der Uni geschlagen zwei Stunden über das Ie-System geredet. Für alle, die nicht wissen, was das ist, bitteschön: http://en.wikipedia.org/wiki/Ie_%28Japanese_family_system%29

Ich für meinen Teil bin mit dem System der Familie schon so oft während meines Studiums genervt worden, dass es mir egal ist, auf welcher Sprache man darüber spricht- ich möchte es einfach nicht mehr hören! Da aber meine Kommilitonen nicht alle einen japanologischen Hintergrund haben, mussten wir das ganze gestern nochmal dermaßen auseinandernehmen, dass mich die Langeweile während Hitze und Schwüle fast umgebracht hat. Daraufhin bin ich dann nach der Uni direkt nach Ikebukuro gefahren, um in einen der größen Buchläden Japans zu gehen: Junkudo. Ich habe auch recht erfolgreich ein Buch ergattern können und bin dann anschließend nach hause gelaufen, was ein Fußmarsch von ungefähr 15min ist.

Nun, auf diesem Fußmarsch ist mir so einiges durch den Kopf gegangen. Und zwar: was macht das Leben im Ausland so anders und warum kann man sich an fast alles gewöhnen, wenn man erstmal eine Zeit da ist.

Eine der größten Herausforderungen, wenn man ins Ausland geht, ist das Abschiednehmen. Natürlich ist es schwer, sich von Familie und Freunden auf bestimmte Zeit zu trennen und jenachdem wie die Umstände sind, weiß man auch nicht, wann man sie wieder sieht. Aber davon abgesehen vergisst man viel zu oft, von seiner Umgebung, den Gerüchen und Geräuschen in dieser, seinen Angewohnheiten und Tagesabläufen Abschied zu nehmen, was dann spätestens nach einem Monat, in dem man im Ausland ist, und die erste Orientierung, Faszination und Eingewöhnungsphase abgeklungen ist, schon hart aufstoßen kann. Manchmal ist es einem garnicht so bewusst, wie sehr Dinge das eigene Gemüt beeinflussen. Natürlich habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Rike auf der Couch im Cafe Blau sitzen und Milchkaffee trinken möchte, weil das Gefühl, eine Person und die gemeinsamen Bräuche mit dieser zu vermissen, einfach viel leichter zu fassen ist. Aber erst wenn ich richtig darüber nachdenke, was mir fehlt, komme ich darauf, dass ich es beruhigend finde, am Sonntag die Kirchenglocken in der Nähe läuten zu hören und mir die ganze Atmosphäre von deutschen Sonntagen, in denen die Geschäfte zu sind, Leute im Sommer in Biergärten sitzen und man höchstens mal ein paar schreiende Kinder in der Nachbarschaft hört, mir ein Gefühl von Ruhe gibt, so dass ich nach einer anstrengenden Woche abschalten kann. Solche Dinge, wie die Geräusche oder Düfte in der eigenen Umgebung, beeinflussen mehr als man denkt und meistens bemerkt man meiner Erfahrung nach eher die Andersheit um einen herum, als dass man sich wirklich bewusst wird, dass einem der Duft von frisch gemähten Gras vom Hofgarten oder einfach der Klang seiner Muttersprache um einen herum fehlt. Besonders letzteres fählt mir immer erst auf, wenn ich nach langer Zeit nach Würselen, wo ich aufgewachsen bin, zurückfahre und die ganzen Omis um mich herum Aachener Platt sprechen 😀 Das soll heißen, dass bei dieser Art von erinnern Zeit und Entfernung eine entscheidene Rolle spielen und man sich selbst darauf stoßen muss, um zu verstehen, warum man sich in der momentanen Situation irgendwie unwohl fühlt.

Jetzt ist es aber in meinem Fall so, dass ich bereits 8Monate wieder in Tokyo lebe, mir die Dinge nicht mehr fremd sind und ich hier wieder eigene Gewohnheiten und Bräuche entwickelt habe, sowie die kleinen Dinge um mich herum zu schätzen gelernt habe, bzw ich es seltsam finden würde, wenn die nicht mehr da wären. Das Rausrollen von meinem Futon gehört genauso dazu, wie der Duft von Zitronen und viel Gemüse, das meine Mitbewohnerin morgens immer in den Mixer wirft, so dass ich fünf Minuten später in einer gesund und frisch riechenden Küche meinen Kaffee aufgieße 🙂 Ich finde es nicht mehr undangenehm oder lärmend, wenn jede Bahnstation und jeder Zug mehrfach mit dir spricht, die Bahnübergänge von einem lauten „gang gang gan“ begleitet werden, jedes größere Auto laut auf Japanisch ankündigt, dass es um die Ecke biegt und die Menschen (insbesondere die Männer) immer lauthals die Nase hochziehen. Ich mag den Duft, der aus dem Reiskocher kommt, kurz bevor der Reis fertig ist, oder die ganzen Gerüche der Speisen, die meine Mitbewohner aus verschiedenen Ländern zubereiten. Ich weiß, welchen Yoghurt ich wo kaufe, welche Wege ich gehe, mag die Dinge, die ich auf den Wegen sehe, freue mich auf einen Kaffee in meinem Lieblingskaffee am Sonntag, wenn es regnet, weil dann der Baum, der durch das Cafe geht, so schön knarrt. Und vor allem mag ich es unheimlich Japanisch zu hören und zu sprechen und ich mag die Gesten wie Verbeugungen, die man bei Unterhaltungen macht.

Diese Dinge sind mir alle aufgefallen, weil sie fremd waren, weil ich mir neue Gewohnheiten aneignen musste und jetzt, wo es nur noch etwas mehr als zwei Monate sind, in denen ich hier bin, denke ich darüber nach, sie zu verlieren, von den liebgewonnenen oder einfach gewohnten Dingen Abschied zu nehmen. Und da ich diese Erfahrung schon einmal gemacht habe, weiß ich, wie viel härter es noch wird, wenn ich dann tatsächlich wieder in Deutschland bin.

Ist das nicht seltsam? Die Erinnerung an alles, was über Jahre zum eigenen Leben dazu gehört hat, verblasst nach kurzer Zeit. Es bleibt ein Gefühl, dass irgendwie etwas fehlt, aber irgendwie wird selbst dieses Gefühl oft durch den neuen Alltag verdrängt. Und, viele Menschen machen den Fehler nach einem Auslandsaufenthalt, nicht wieder Platz zu schaffen, für die Dinge und Bräuche, die man mag in seiner Heimat. Die Trauer die man beim Abschied von der Heimat irgendwie nicht hatte, wird ersetzt von einer viel größeren Trauer, die man empfindet nachdem man nur eine kurze Zeit irgendwo verbringen konnte. Natürlich weiß ich, dass das auch daher kommt, dass man denkt, nie wieder an den Ort un in die Situation zurück zu können, während man sich in Bezug auf seine Heimat sicher fühlt. ABER, auch die Heimat verändert sich, weil man sich selbst verändert. Ich selbst bringe neue Gefühle, Ansichten und Bräuche mit und in mir kann ich vieles vereinen, selbst wenn ich nicht mehr die lärmenden Bahnen sondern lauthals Asi-Deutsch sprechende Jugendliche auf einer täglichen Basis um mich habe.

Und nun zu dem, worauf ich stolz bin. Vor drei Jahren habe ich die letzten Monate oft trauernd verbracht, weil ich nicht aus Japan weg wollte. Doch als ich dann durch Bonn gegangen bin und den Sternenhimmel gesehen habe, der nicht von Hochhäusern halb verdeckt wurde, meine Schuhe mit Staub vom Feld zwischen Würselen und Broich-Weiden bdeckt war, ich die Treppe im Haus meiner Oma hochgegangen bin, wo es diesen ganz speziellen Geruch gibt, und das alles mit den Haaren zu nem Dutt gedreht, wie es die Japanerinnen machen, mit japanischer Musik auf meinen Ohren und lauter Fotos in meinem zu hause von diesem großartigen Jahr, da war es doch gut wieder zu hause zu sein, auch wenn ich mich damals gegen dieses Gefühl mit Tränen, Geschrei und schlechter Laune gewehrt habe. Und diesmal lass ich es direkt zu, mich wieder wohl zu hause zu fühlen. Momentan denk ich zwar noch nicht viel an zu hause. Ich versuche vor allem die etwas beängstigenden Sachen wie Uni-Abschluss, Hausarbeiten, etc noch etwas beiseite zu schieben. Im Gegenzug dazu lausche ich den Gesprächen bzw den japanischen Wörtern der Menschen um mich herum und genieße meinen Alltag hier. Aber wenn ich dann wieder da bin, esse ich wieder aus leibeslust Schwarzbrot anstatt Reis zum Frühstück, fahre Bus mit meinem fantastischen günstigen Uni-Ticket und treffe mich mit meinen Freunden, die meine tolle Muttersprache sprechen, denn so schön es ist eine andere Sprache einigermaßen zu beherrschen, es gibt nichts darüber, eine Muttersprache zu haben, dessen Worte für einen hundertprozentig mit dem Gefühl verbunden sind, das man ausdrücken möchte.

Ja, Deutschland wird auch wieder schön. Und die letzten zwei Monate hier auch.

In diesem Sinne bis zum nächsten Eintrag wieder über Reisen *lol*

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無沙汰をお詫び申し上げます–tut mir leid, dass ich lange nichts von mir hab hören lassen 21. Mai 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 2:43 am

Ihr Lieben,

Viel ist passiert. Aber vieles, das nicht auf einen Blog gehört. Neben Uni war es in meinem Privatleben nach den Ferien zu einem ziemlichen Durcheinander gekommen. Aber da es jetzt langsam wieder Bergauf geht, melde ich mich nun munter wie immer zurück (mein Arbeitskollege meinte, dass ich ja immer „genki“ (=munter, lebhaft, voller Energie) wäre, was mal wieder bestätigt, welch tolle schauspielerische Fähigkeiten ich habe ^^).

Nun, in letzter Zeit habe ich etwas mit Schlaflosigkeit zu kämpfen. Ich weiß selber nicht genau warum, aber ich schlafe im Schnitt nur noch so vier bis fünf Stunden, selbst wenn ich müde bin. Heute war das sogar von Vorteil, da ich unerwartet das zweite mal in meinem Leben die Chance hatte, eine Sonnenfinsternis mitzuerleben. Ich bin schon ein Glückskind, wo doch viele Menschen nicht mal einmal eine zu sehen bekommen. Wenn wir streng sind, habe ich aber auch nicht wirklich beide mitbekommen. 😀 Damals in Deutschland, als ich, glaub ich, in der sechsten Klasse war, war es so bewölkt, dass man nichts sehen konnte. Und heute um 7:30Uhr japanischer Zeit war es zwar nicht wirklich bewölkt, aber da alle dieser Sonnenfinsternis-Brillen ausverkauft waren, konnte ich nicht wirklich viel sehen. Und natürlich war auch mein Fotoapperat nicht aufgeladen, weshalb ich durch die Kamera meines Handys gucken musste und nicht wirklich viel erkennen konnte *lol*. Es war aber trotzdem eine gute Stimmung und so viele Menschen hatten sich auf dem Hügel in der Nähe meines Hauses versammelt, was irgendwie schön war.

Das linke Bild ist von einer Freundin geklaut und das rechte mit meiner bescheidenen Handykamera aufgenommen, bevor es richtig los ging.

Nun, was macht man sonst so, wenn man nicht schlafen kann. Man denkt nach. Über kleine und große Dinge. Und an einem Teil meiner Überlegungen möchte ich hier teilhaben lassen.

 

 

 

Was ich über mich hier in Tokyo erfahren habe:

  • Ich mag Erdbeeren mit Yoghurt und hab nichts dagegen, es jeden Tag als volle Mahlzeit zu mir zu nehmen (in Japan ist irgendwie immer Erdbeersaison, so dass ich schon seit vor Weihnachten mir einmal wöchentlich den Luxus von 3-Euro Erdbeeren mit 1,50Euro Yoghurt gönne. Ist zusammengerechnet fast genau so viel wie eine normale Mahlzeit kosten würde und ich glaube, dass ich dank der regelmäßigen Zufuhr von Vitaminen nicht so oft krank geworden bin, wie die anderen, die hier sind)
  • Spazieren ist meine Lieblingsbeschäftigung. Immer wenn man mich in der Vergangenheit gefragt hat, was meine Hobbies sind, hab ich immer das übliche gesagt, wie lesen oder Filme. Aber ich glaube, nichts entspannt und bereichert mich so sehr, wie stundenlang durch die Gegend zu laufen. Auf meinen Spaziergängen wird mein Kopf frei, ich sehe viele neue Dinge und Menschen, habe schon tolle Gespräche mit fremden auf Spaziergängen gehabt und selbst ich, die sich immer verläuft, bekommt ein Gefühl für die Entfernungen in dieser riesen Stadt und ich kenne sogar mehr verborgene tolle Winkel als so mancher Japaner. Und in einem Land, in dem abends der letzte Zug um ca12Uhr fährt, ist es auch sehr nützlich zu wissen, wie man von A nach B kommt und wie lang es dauert. (Tamachi-Harajuku: mit der Bahn: 15min, zu Fuß: ca eine Stunde. Shibuya-Yotsuya: ebenso, etc) Ich glaube, durch meine Spaziergänge bin ich auch in der Lage, den Leuten, die mich besuchen, so viel zeigen zu können und nicht, weil ich hardcore Sightseeing gemacht hab.

wenn man in Japan ist, denkt man selbst als Frau darüber nach, sein Gesicht zu rasieren. Jeder Mensch hat Gesichtsbehaarung. In meinem Fall ist es blonder Flaum, der im Höchstfall mal in der Sonne glitzert. In japanischen Bahnen wird man nun aber nur so mit Werbung zugeballert und da es nun im Durchschnitt immer so um die 22Grad ist und der heiße Sommer vor der Tür steht, wird für Achselenthaarung, etc geworben. Und gestern fällt mir doch der Spruch ins Auge: ホッペ毛は無駄毛(die Haare auf deiner Wange sind unnötige Haare). Und da die geballte Weiblichkeit um mich herum, hier immer so schön zurechtgemacht, unschwitzend, selbst bei Wind und Feuchtigkeit perfekt frisiert und und und ist, grübel selbst ich von Zeit zu Zeit mal darüber nach, ob ich mehr aus mir machen könnte :D hier ist die TV-Werbung zu den Zugwerbungen: http://www.youtube.com/watch?v=p7Eoh-S9E-I

Was ich über andere in Tokyo erfahren habe:

  • Frauen mit Stöckelschuhen hören sich an wie kleine Pferdchen, wenn sie zu zweit gehen. Dank der Einfachverglasung von japanischen Fenstern (in Hokkaido haben sie angeblich wegen der starken Kälte normale Mehrfachverglasung) habe ich oft das Gefühl, auf der Straße zu sitzen, obwohl ich in meinem Bett liege.  Und wenn dann abends nach dem letzten Zug die letzten Mädels oder morgens früh die Business-Damen an unserem Haus vorbeistöckeln, habe ich schon oft im Halbschlaf gedacht, was die Pferde da draußen machen.
  • Katzen hören sich an wie Babies. Da ich ja selber lange Zeit Katzen-Frauchen war, war mir das zwar bis zu einem bestimmten Punkt bewusst. Aber seitdem die Temperaturen steigen und es Frühling geworden ist, habe ich das Gefühl, dass eine Armee Babies in meiner Nachbarschaft die Gegend unsicher macht. Es gibt sehr viele streunende Katzen in Japan und sind nicht immer gern gesehen. Witziger Weise glauben die Japaner, dass sie die Katzen von ihren Grundstücken fern halten können, wenn sie überall Wasserflaschen aufstellen. Ernsthaft. Man sieht oft ganze Gärten von fiesen Wasserflaschen eingezäunt, weil Katzen ja kein Wasser mögen deshalb dann nicht rein kommen XD
  • Nicht alles ist wie es zu sein scheint. Bestes Beispiel: Die Pöller in Tamachi und Mita, wo sich meine Uni befindet. Es ist immer wieder lustig, wenn einer der anderen Austauschstudenten diesen erleuchtenden Moment hat und sich aus irgendeinem Grund gegen einer der vielen Pöller versucht zu lehnen oder setzen und dabei fast umfällt. 😀 Die Dinger sehen aus wie Stein oder Metall, sind aber komplett aus Gummi, wo ich mich frage, ob sie dann noch wirklich ihre Aufgabe voll erfüllen können. Ich habe das ganze zwar schon bereits vor einem halbe Jahr herausgefunden, aber wenn zum Beispiel wie Lisa letzten Samstag jemand vollkommen fasziniert auf mich zukommt und mir über seine Entdeckung berichten möchte, kann ich trotzdem noch immer wieder mitlachen und den Kopf schütteln.

 

So viel dazu. Sorry für diesen random Eintrag mit minderwichtigen Informationen. 😀 Aber so Kleinigkeiten gehören ja schließlich zum Leben dazu, zumindest zu meinem. Und ich hoffe, dass ich beim nächsten mal, vielleicht wieder etwas von mehr Interesse schreiben kann. Maybe hole ich den Reisebericht nach ^^

Und zum Schluss noch ein paar random-Fotos. Bitteschön

 

 

 

 

 

Im Zoo 29. März 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 11:47 am

Hallo und direkt ein „Entschuldigung“ hinterher, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.

Schuld waren die Frühjahrsferien, die nach nun zwei Monaten zu Ende gehen. In diesen zwei Monaten habe ich viel gemacht, gesehen und erlebt, was ich alles in verschiedenen Einträgen festhalten möchte. Aber zuerst zu zwei wichtigen Verkündungen.

1.: Der Frühling ist da! Donnerwetter, wars hier lange kalte und zwischendurch hat es sogar nochmal geschneit. Aber nun wird auch in Tokyo für nächste Woche die Sakura (Kirschblüte)  erwartet, wovon ich dann in nächster Zeit berichten werde ^^

2.: Ein neues Semester (dass bei der Keio natürlich wieder wesentlich früher als bei allen anderen Unis anfängt) bedeutet auch (wiederum nur bei der Keio) wieder einen neuen Placement-Test für Japanisch! *yeeeaaah* Dieser fand Dienstag statt und ich war ruhiger, konzentrierter und besser gelaunt als beim letzten mal und bin mit dem Gefühl reingegangen, dass ich das jetzt in den dreieinhalb std rocken werde. Und tatatata, heute kamen die Ergebnisse und mein Selbstbewusstsein hat wieder Boden unter den Füßen: Ich bin in Level 10 von 12!! Das ist einfach nur der Hammer, weil auch der Kurs so cool ist (wir haben ein Lehrbuch, dass auf soziologischen Texten aufgebaut ist ^^) und die Lehrerin so toll ist *hach* ❤ Aber dazu schreibe ich demnächst mehr.

Nun also zum Titel dieses Eintrags: Zoo. Da das Leben hier doch recht kostspielig ist und ich bei meinem diesigen Japan-Aufenthalt endlich reisen wollte, habe ich mir einen Nebenjob gesucht, bzw ein guter Freund von mir, hat mich bei seiner Arbeitsstelle empfohlen. Diese Arbeitsstelle ist eine japanische Bar/Restaurant im japanischen Stil. Das bedeutet, es gibt viel japanischen Schnapps mit vielen (für mich) unlesbaren Namen, viel frisches und hochqualitatives Essen und das alles in einem typisch japanischen Ambiente: auf dem Boden gemütlich sitzen, eventuell am Tisch Nabe (japanischer Eintopf) oder Yakiniku (gebratenes Fleisch) selbst zu bereiten, brutzeln und köcheln lassen und es sich mit seinen Freunden gemütlich machen. Und dazu tragen alle Kellnerinnen und Köche traditionelle japanische Kleidung, im Fall der Frauen Yukata (eine leichtere und unaufwendigere Variante von Kimono, die oft im Sommer getragen wird.). Dieser besagte Laden, den ich euch jetzt mal verlinke (http://wahacojp.com/bonten/), damit ihr vll einen Eindruck gewinnen könnt, ist nun um eine Kellnerin und somit eine Attraktion reicher: mich! *haha*

Was soll ich sagen, die Arbeit war recht schwer am Anfang und ist es auch jetzt noch oft. Ich konnte, wie gesagt, vieles nicht lesen. Und selbst, wenn ich es lesen kann, weiß ich trotzdem nicht, was für einen Sake (Reiswein), Shouchu (eine Art japanischer Vodka), Fisch oder änhliches ich gerade serviere, weil es oft keine Wörter bzw nur seltsame Fachwörter für die Tiere, etc gibt. Für mich ist das dann immer Fisch oder Muschel. Bzw, es ist für mich Thunfisch, nur leider gibt es im japanischen klar getrennt verschiedene Arten Thunfisch… So in etwa sieht mein Problem mit der Menu-Karte aus. Der nächste Schwierigkeitsgrad ergibt sich durch den sehr guten japanischen Service. Während in Deutschland meist die Atmosphäre in Restaurants, etc recht locker ist und unfreundliche Kellner oft an der Tagesordnung stehen, gibt es keine Grenzen für den japanischen Service, der beim Öffnen der Tür für den Gast anfängt, sich klar über die höchste Höflichkeitsstufe im Japanischen äußert (oh ja, die hab ich so langsam drauf, Baby ^^), und darin übergeht, dass es konkrete Regeln zum Aschenbecher-austauschen gibt. Ich persönlich mag das alles sehr, besonders auch, weil das alles gemacht wird, ohne dass man Trinkgeld bekommt (ja, ich finde das gut. Man möchte, dass der Gast sich wohl fühlt und wieder kommt und viele Stammgäste bringen auch schonmal was zum Knabbern oder was Süßes für uns mit oder geben uns was zum Trinken aus (ich trinke fast jeden Abend mindestens ein Bier, indem ich mit einem Gast anstoße) und danken uns so. Und ich finde es schön, jemanden einen schönen Abend bereiten zu können und dieser jemand mir danach danke sagt ^^). Und das Schöne an dem Laden, in dem ich arbeite, ist, dass man sich nett mit den Gästen (meistens Stammkundschaft) unterhält und ihnen ein guter Gastgeber ist, wie meine Freundin das schön formulierte.

Nun die Schattenseiten des Ganzen. Ich muss sagen, dass ich den Job auch mache, um mehr über japanisches Arbeitsleben zu erfahren und da ist so ein eher traditioneller Laden wirklich das Beste. Die Rangordnung ist klar geregelt und ich bin die letzte in der Nahrungskette. Mein Senpai (japanisch für eigentlich höhere Schüler als man selber ist; wird aber wie hier auch benutzt für Leute mit mehr Erfahrung als du selber und auf die man da hört) ist recht streng und manchmal hab ich echt das Gefühl, dass sie nicht glücklich ist, wenn sie mich nicht zumindest einmal kurz anmeckern kann. Wenn man angemeckert wird, selbst wenn man nichts falsch gemacht hat, entschuldigt man sich und sagt, dass man es nicht mehr tut, bzw. das man seinen Fehler verstanden hat. Das klingt vielleicht sehr hart und ist es manchmal auch. So Situationen wie: Senpai A macht was, Senpai B denkt, ich wars und schimpft mit mir. Senpai A steht daneben und sagt nichts und ich entschuldige mich bei beiden XD Aber so ist das nunmal im japanischen Geschäftsleben und ich bin sehr gut darin in „insEineOhrReinUndAusDemAnderenWiederRaus“. Das Gute an der Sache ist auch, dass mich alle wie eine Japanerin behandeln. Es wird kein wirklicher Unterschied zwischen mir und dem Rest gemacht. Das bedeutet aber auch, dass wenn ich zum Beispiel etwas nicht richtig verstehe, schonmal einen auf den Deckel kriege…

So und bevor das jetzt ewig-lang wird, nun zur Pointe: Das Interessanteste an dem Job sind die Reaktionen der Gäste. Manchmal (oder vielleicht fast immer) komme ich mir wirklich vor wie im Zoo, nur dass ich im Gehege bin. Es wird gestart, gesagt, wie süß man ist, gefragt, ob man mal anfaßen darf (meine Hände, weil sie so weiß sind…) getestet, ob der Papagei auch reden kann, gefragt, aus welchem Land das Tier stammt, natürlich muss man auch das Alter und die Körpergröße wissen und schauen, wie weit das Tierchen evelutionär ist. Heiratsanträge habe ich auch schon einige bekommen und Fotos wurden auch schon zu genüge gemacht. Aber auch wenn das alles ein bisschen seltsam klingt, es macht Spaß. Und die meisten Leute sind sehr nett und ich unterhalte mich sehr gerne mit ihnen 🙂

Wie ich breits im letzten Beitrag gesagt habe: jede dieser Begegnungen ist wichtig. Und ich finde es auch wichtig, dass Japaner wissen, dass wir nicht nur Bier trinken und Würstchen essen und auch wir samstagsabends trinken gehen, lachen und feiern.

 

Ein frohes Neues Jahr 3. Januar 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 10:04 am

Hallo ihr Lieben in Deutschland!

Nachträglich frohe Weihnachten und ein gseundes neues Jahr 2012 wünsche ich wirklich jedem von euch von Herzen!

Nun, hier ein bisschen was dazu, was ich den letzten Monat getrieben habe. Da hätten wir zunächst meinen Geburtstag. Ich habe festgestellt, dass man an seinem Geburtstag umsonst auf den Tokyo Tower steigen kann! Deshalb habe ich mich nach einem langen Unitag mit Lars und Stephi aufgemacht, von meinem Campus durch die kalte Winterluft bis zum Tokyo Tower zu stapfen. Von dort aus haben wir dann den Ausblick über das nächtliche Tokyo genossen. …Gerade im Winter finde ich Tokyo echt trist und kalt. Es gibt nicht viel Grün, man ist immer umgeben von Menschen, die irgendwo hin müssen und es fällt schwer zu Ruhe zu finden. Ehrlich, ich kann manchmal nicht verstehen, wie jemand behaupten kann, hier in Tokyo leben zu wollen. Allerdings hat mich das Schicksal schon zum zweiten mal hier in diese riesige Stadt gebracht, ich habe hier viele sehr wichtige Menschen für mich getroffen und auch wenn ich es nie gedacht hätte, dass ich es lange in einer Umgebung aushalten könnte, in der man so mit der Menschenmasse verschwindet, so muss ich mir doch eingestehen, dass ich Tokyo irgendwie doch liebe. Gerade an so Orten wie der Tokyo-Tower, der an sich einfach schon etwas Magisches hat, oder der Ausblick von selbigen, in dem sich das Lichtermeer der Hochhäuser mit den Lichtern am Himmel treffen, weil die Stadt einfach über den Horizont hinausreicht, bin ich dann doch irgendwie gefangen von dieser Stadt. Und das obwohl hier nach der Zeit, die ich hier schon verbringen durfte, mir vieles schon sehr alltäglich und überschaubar vorkommt.

Nachdem wir ein wenig Zeit im Tokyotower verbracht haben, sind wir dann weiter zum Tokyo Mid Town Park, der für seine Weihnachtsbeläuchtung berühmt ist. Diese ist auch wirklich gewaltig… Obwohl ich sagen muss, dass ich einfach nicht verstehen kann, warum die Japaner immer die Baumstämme anstatt die Baumkronen schmücken…

Hier ein paar Eindrücke

Dann hätten wir noch die aufwendig beleuchtete Wiese in dem besagten Park (gesponsert von Emirates XD) Unter dem folgenden Link könnt ihr ein Video sehen, das wesentlich mehr aussagekräftig ist, als alle Fotos, die ich gemacht hab … http://www.youtube.com/watch?v=jwES92aiUtI&feature=related

Nachdem wir uns das alles angesehen haben, sind Stephi und ich weiter nach Yokohama gefahren, wo wir dann mit Freunden bis ca 4Uhr mit Bier, Kuchen und Gesellschaftsspielen die Nacht verbracht haben. Eigentlich hatte ich vor mit dem ersten Zug heim zu fahren (da nach 12 keine Züge mehr fahren ist das jeweils die nächste Möglichkeit), bin aber dann doch wie alle auf dem Boden eingeschlafen und wir haben dann einen etwas späteren Zug genommen.

Alles Gute zum Geburtstag Lau-chan (*^_^*)

Am selbigen Tag hatte ich dann auch Probe. Und da bin ich natürlich hin. Ich muss schon sagen, dass gerade die letzten Wochen vor unserem Konzert sehr anstrengend waren. Viele viele Proben, viel Kritik, die wir umsetzen mussten und dazu noch Dinge, die man neben dem Singen auch noch organisieren muss.

Aber,,, dieses Konzert war wirklich eins der großartigsten Dinge in meinem Leben. Als ich am Tag vorher in die Halle getreten bin, hat es mir einfach den Atem verschlagen. 1400 Plätze, Lichtanlage, Backstage und und und. Und nachdem wir den Tag mit Generalproben und Vorbereitungen verbracht haben und ich dank 2Wöchiger Diät auch in den geliehenen Rock reingepasst habe, stand ich dann auf einmal mit schwarzer Mappe vor der Bühnentür, sehe an den Monitoren rechts, die mit 800 Menschen ziemlich volle Halle und alle um mich herum sind ganz wibbelig und voller Vorfreude. Und meine lieben Freunde, das Gefühl, dann auf die Bühne zu treten, ins volle Scheinwerferlicht und dieses Meer an Menschen applaudiert ist einfach der Wahnsinn. Ich habe jedes Wort der Lieder, die wir vorgetragen haben, aus vollem Herzen gesungen, die ganzen Menschen um uns herum sind einfach verschwommen und der Dirigent hat uns durch die ganzen Lieder geführt wie ein Reiseleiter. Es klingt alles total kitschig (verzeiht mir das!), aber es war wirklich einfach der Wahnsinn und unglaublich schön!

Nach dem 3stündigen Konzert sind wir dann direkt zur Reception, wo wir mit dem Dirigenten, den Gesangslehrern, den Musikern und noch ganz vielen anderen unsere Erfolg gefeiert, getrunken und gegessen haben, um dann mit dem letzten Zug in ein Ryokan (japanisches Hotel) zu fahren. Dort haben wir dann bis morgens die Viertsemester verabschiedet, da dies ihr letztes Konzert war.

Der nächste Morgen war sehr sonnig und frisch, als ich nach einer Nacht ohne Schlaf dann in Richtung Uni bin, um einen Test zu schreiben 😀 Aber da ich immer noch ganz verzaubert war von diesem Erlebnis und überglücklich, das alles mit meinen neu gefundenen Freunden erlebt zu haben, waren die drei Std Uni dann auch vollkommen ok und am folgenden Tag konnte ich ja auch endlich die Weihnachtsferien einleiten.

Weihnachten habe ich in der WG bei meinem Freund Lars verbracht. Ich war auf einem Weihnachtskonzert und ansonsten habe ich bis eiunschließlich Silvester einfach mal garnichts gemacht. Ich bi nspazieren gegangen oder hab Filme gesehen und hab es mir einfach gut gehen lassen. Neujahr ist das wichtigste Fest in Japan und ähnlich wie bei uns Weihnachten trifft man sich mit seiner Familie, isst viel und verbringt 3 schöne Tage. Ich habe mich mit einem alten Freund getroffen, der vor zwei Jahren in der Nähe von Bonn an einer Kunsthochschule studiert hat, wir sind zusammen ins Museum und haben dann den traditionellen ersten Schrein-Besuch in diesem Jahr gemacht. und obwohl wir an einem kleinen Schrein in der Nähe von Yokohama waren haben wir eine halbe Stunde angestanden. ^^ Danach hab ich noch einen Glücksbringer fürs neue Jahr gekauft und eine Art Orakel „Omikuji“ gezogen, das mit Glück und Geldseegen fürs neue Jahr verspricht.  Also drückt mir mal alle für meine Nebenjob-Suche die Daumen oder dass es dem Euro bald wieder besser geht…

Hab ich schon erwähnt, dass an den drei Neujahrs-Feiertagen hier sogar die Geldautomaten aus sind? Wenn die Japaner frei machen, dann aber richtig 😉 Daher auch das Bild oben von dem leeren Zug… Ein Zustand, der sich einem hier nur wirklich SEHR selten bietet.

Gestern bin ich dann noch spontan zum Kaiserpalast und hab eine der Ansprachen des Tennos gehört. Dieser hält einmal die Stunde eine 80-Sekunden-Rede. Gleichzeitig ist das die einzige Möglichkeit zumindest mal bis in den Schlossgarten des Kaiserpalastes vorzudringen. Wie ihr seht, waren da auch noch sehr viele andere Menschen und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal jemals machen würde (weil ich sowas eigentlich lächerlich finde). Aber es war wirklich nett, ich find den Tenno immer noch putzig und hab ihn von fast ganz nah gesehen. Außerdem war es irgendwie schön in der Menge zu stehen, die alle gemeinsam „banzai“ rufen und die nach dem schicksalsreichen letzten Jahr auf ein gutes 2012 hoffen…

Es gäbe noch so viel zu schreiben, aber das ganze ist hier schon viel zu lang. Vielleicht ein letztes noch: Ja, ich habe das Erdbeben mitbekommen (es wackelt halt, wie sollte man das nicht mitbekommen ^^), aber wenn wir alle was aus dem letzten Jahr gelernt haben sollten, dann ist das, dass die deutschen Medien echt schrecklich sind und alles total übertreiben. So lange ihr also nichts von Verletzten oder Toten hier hört, könnt ihr davon ausgehen, dass es mir gut geht und alles nur halb so wild war. Ich muss zwar gestehen, dass es das stärkste Beben war seitdem ich hier bin (und es hat schon einige male gebebt) und auch die Gesichter der Leute um mich herum, die leicht besorgt waren, ob da noch was heftigeres hinterher kommt, habe ich so auch zum ersten mal gesehen (ich meine im Vergleich zu früher, wo ein Erdbeben dieser Stärke mehr oder weniger normal war und alle nach den paar Sekunden Ruckeln einfach wieder weitergemacht haben), aber im Großen und Ganzen hatte ich es nach 10Sekunden auch schon wieder vergessen und ich glaube, hier war es noch nichtmal in den Nachrichten und wenn, dann nicht groß.

Nun denn. Lasst es euch gut gehen da drüben. Bleibt gesund und macht das beste aus dem neuen Jahr!

In acht Monaten habt ihr mich wieder 😉

Liebe Grüße,

Gorilaura

 

Der Chor und ich… 11. Dezember 2011

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 3:50 am

Eigentlich nur ein ganz kurzer Eintrag dazu.

Wie jetzt ja schon mehrfach berichtet, bin ich ja in einen Chor eingetreten, der momentan auch so ziemlich mein Freizeit-Leben bestimmt. Wir proben drei mal die Woche und kommen somit auf momentan auf ungefähr 10std die dafür drauf gehen, plus Einzelstunden, wo nur ich „trainiert“ (weil ich halt noch hinterherhänge) werde, und sonstige Aktivitäten. Das Schöne an so Uni-Clubs ist, dass sie wie ein großer Freundeskreis arbeiten. Man macht viel zusammen und findet so Freunde, da es sonst auch ziemlich schwierig ist, bei so einer großen Stadt wie Tokyo, sich regelmäßig zu treffen (Fahrzeiten von einer Std sind nicht selten und somit ist mal eben Kaffee trinken „in der Stadt“ mit neuen Bekannten nicht so einfach).

Eine dieser Aktivitäten war, dass wir letzte Woche Gyoza (gefüllte Teigtaschen) selbst produziert und gegessen haben. Dazu wurden die Küche und ein gemütlicher Raum in einem Gemeindezenter angemietet, zu dem ich dann mit einem Großteil der Chormitglieder nach der Probe letzte Woche Samstag aufgebrochen bin.

Es war sehr witzig und eigentlich würde es sich auch lohnen, das Trinkverhalten der Japaner in Detail zu beschreiben, aber ich belasse es einfach mal bei Bildern 😉

Es war sehr lecker, wir haben viel getrunken und es gab unendlich viele Trinkspiele usw.  Zum Scluss haben die Jungs noch Trinklieder angestimmt, die ziemlich cool waren. Da ich es aber gerade nicht geschafft hab, ein Video davon hochzuladen, versuche ich das einfach später nochmal…

Liebe Grüße,

et Gorilaura

 

Eine Woche im Zeitraffer 25. November 2011

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 3:14 pm

Hallo ihr Lieben,

 

Ich hatte eine Woche frei, da Mita-sai bei uns an der Uni war. Mita nennt sich der Campus der Keio-Universität, zu dem auch ich jeden Tag pendel. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das bereits vorher erwähnt habe, aber die Uni-sai (Festivals) sind ein großes Ding hier in Japan, so dass ich sogar eine ganze Woche keinen Unterricht hatte. Und ich hab einiges gemacht, wovon ich kurz bereichten möchte. Zum einen war ich letzte Woche Freitag bei meiner Japanisch-Lehrerin zu Besuch, bei der ich bei meinem letzten Japanaufenthalt das ganze Jahr über Unterricht genommen habe. Es war wirklich so schön, sie wiederzusehen und angesichts ihres schon vorangeschrittenen Alters und der Naturkatastrophe dieses Jahr, war ich wirklich froh, dass sie immer noch gesund, wuselig und sehr gesprächig ist 🙂 Als ich da an dem Tisch in ihrem Wohnzimmer, an dem ich früher so viel gelernt habe, gesessen und Kuchen gegessen habe, hat es sich ein bisschen wie zu hause angefühlt und endlich hat sich das Gefühl eingestellt, richtig (also RICHTIG) hier angekommen zu sein. Außerdem tat es gut, von ihr zu hören, dass mein Japanisch besser geworden sei, nachdem ich in der letzten Zeit an der Keio viel Kritik einstecken musste…

So, nach dem Besuch bin ich dann noch die letzten Sachen für unser Gasshuku (Ausflug) von meinem Chor einkaufen gegangen. Ja, und dieses Gasshuku war echt ein Erlebnis. Wir waren vier Tage im Olympischen Zenter hier in Tokyo, wo auch sonst Konzerte, Tagungen und alle möglichen Veranstaltungen stattfinden, haben von morgens 9 bis abends 9 geübt (kurze Pausen zwischendurch und pro Tag zwei Pausen je eine Stunde zum essen) und danach wurde gemeinsam ins Bad gegangen und an den Kostümen, etc bis spät in die Nacht gearbeitet. Klingt nach Stress, aber bis auf den zu kurz geratenen Schlaf war es echt toll und ich habe alle näher kennenlernen können und es auch endlich geschafft, die Lieder halbwegs auswendigzu lernen und was noch viel wichtiger ist: singen zu können 🙂 Zum Bad ist zu sagen, dass es in Japan nicht unüblich ist, dass es nach Geschlechtern getrennt große Baderäume gibt. Dort sind dann „tiefe“ Duschen, vor die man sich setzt und dann erstmal gründlich wäscht, so dass man danach mit allen anderen in eine Art große Badewanne steigt, die mit recht bis sehr heißen Wasser gefüllt ist. Fotos habe ich natürlich nicht davon, obwohl ich an einem Abend (weil ich länger geprobt hatte) ganz alleine in diesem Baderaum war…aber das wusste ich ja nicht vorher und hatte dementsprechend meine Kamera nicht mit. Nun, hier also ein paar Fotos:

Hier sind Lisa und ich (die einzigen beiden Ausländer unter 60 Chormitgliedern) in unseren selbstgenähten Kostümen. Eins der Stücke, von den, die wir vortragen, ist eine Art Musical, bei dem die Kostüme traditionellen japanischen Trachten nachempfunden sind.

Hier ein paar der Mädels. 11 In den Pausen haben wir eigentlich die ganze Zeit solche Ketten gebildet und uns gegenseitig massiert 🙂

Hier der letzte Abend. Die Tenor-Jungs treten gegen die Bass-Jungs im Armdrücken an und die Mädels stehen drumherum und feuern an. Der Gruppenleiter (also in diesem Fall der Leiter der Tenore), der Gruppe, die verliert, muss sich eigentlich die Haare abrasieren… allerdings macht der arme Kerl im März seinen Abschluss und fängt dann an zu arbeiten, so dass man ihm das erspart hat. Schließlich wachsen Haare nun auch nicht sooo schnell ^^

Naja und dann sind sie ein wenig überschwenglich geworden, weil sie ja gewonnen haben… ich finds nur besundernswert, wie viel Kraft in den kleinen Japanern dann doch steckt ^^

 

Sooo und nachdem ich dann Dienstagabend wieder zurück nach hause bin, bin ich dann Mittwochmorgen früh aufgestanden, um erst einmal kurz zur Mitasai zu gehen, um meine Freundin, die dort einen Auftritt hatte, zu sehen, um dann danach direkt nach Kamakura zu fahren. Kamakura liegt ungefähr eine Stunde (jenachdem wo man wohnt) von Tokyo entfernt und direkt an der Küste. Ich LIEBE Kamakura und war auch bei meinem letzten Japanaufenthalt öfter da, weil es so ein kleines Städtchen am Meer ist und man dort mal gut von der Großstadt verschnaufen kann. Diesmal war es allerdings ein bisschen anders, weil die Familie, bei der ich in Bonn über ein Jahr gebabysittet habe, für 3 Monate bei den Großeltern, die eben in Kamakura wohnen, zu besuch sind und ich so meine Kleinen endlich wiedertreffen konnte. Und hach, es war so schön. Erstens hab ich mich riesig gefreut, die beiden Mädels zu sehen, von denen die eine jetzt laufen kann(!) und zweitens war es so entspannend und so eine warme und herzliche Atmosphäre in dem Haus, so dass ich mich gefühlt habe, als wäre ich zu meinen eigenen Großeltern zu Besuch. Ich habe also zwei Tage mit leckerem Essen, Bildern malen, zum Strand und Spielplatz gehen und ganz viel mit einem vier-jährigen Mädchen brabbeln verbracht 🙂

Hier das Meer und ganz, ganz leicht zu erkennen: Der Fujisan (Fujiyama) am Horizont. Da jetzt nun auch in Japan der Herbst endlich eingekehrt ist, war es sehr stürmisch und kalt an dem Tag, so dass die Sicht leider nicht so klar war. Aber ich finde, man versteht trotzdem ein wenig, warum ich das so schön dort finde ^^

 

So, und da morgen bereits wieder Probe ist, mache ich mich mal in mein Futon.

Passt alle auf euch auf und erkältet euch nicht!

Liebe Grüße aus dem kalten Tokyo,

Laura

 

OOTSUKA OOTSUKA 17. November 2011

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 3:03 pm

Schande auf mein Haupt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.  Aber hier bin ich wieder. Und wie sich vielleicht aus dem Titel erschließen lässt (oder auch nicht), bin ich endlich umgezogen! Bei Ortswechseln wird mir immer erst im Nachhinein bewusst, was mir am vorigen gefehlt hat oder was gut an ihm war. In diesem Fall fühle ich mich aber seit fast einer Woche irgendwie erleichtert und habe das Gefühl, nochmal mehr angekommen zu sein. Und zu der Frage, wo ich hingezogen bin: eben nach Ootsuka. Das ist ein Ort im Norden Tokyos und liegt auf der bereits in einem vorigen Eintrag erwähnten Ringlinie Tokyos, der Yamanote.Und wie man hier unschwer erkennen kann, verkürzt sich durch meine Umzug meine tägliche Fahrzeit von bis zu 1 1/2std auf 30min. Da ich einfach in Otsuka (auf der grünen Linie nach Ikebukuro) einfach nur einmal im Halbkreis fahre.

Da so ein Fahrplan allein aber recht langweilig ist, gibts hier noch ein paar Eindrücke von meinem Zimmer (love it!):

Hier hätten wir einmal die Zimmeransicht aus der Ecke meines Schrankes. Ihr seht, es ist ein Tatami-Zimmer (*yeeeaaah*) mit Futon (ordentlich gefaltet links auf dem Boden), einem Balkon hinter der Papierschiebetür (Shôji), kleiner Tisch vor dem Fenster mit meinem Lieblingsplatz, einem Bodensessel(?) (Zaisu).

Hier nochmal eine etwas andere Ansicht. Ihr seht, alle Postkarten, Geschenke und Fotos tragen nicht nur zu meinem Wohlbefinden, sondern auch zur Dekoration bei 🙂

Uund hier mein Schrank, mit meinem Wäscheständer *höhö*. Und ich sag euch, Harry Potter wäre bei dem riesigen Einbauschrank neidisch geworden. Der ist so breit wie tief und hat über den beiden Schiebetüren da nochmal zwei Fächer direkt unter der Decke. Die Zimmertür ist direkt neben meinen Pantoffeln, die ihr da sehr und sieht genauso aus, wie die Schranktüren-von daher unspektakulär. Naja und für alle, die nicht wissen, was Tatami sind: Tatami ist ein Bodenbelag aus Stroh (jeder Mensch mit Heuschnupfen würde in meinem Zimmer sterben… es riecht wirklich ein bisschen wie ein Strohballen ^^). Das Stroh wird über eine Art Rahmenkonstruktion gespannt und das ganze bekommt somit die Form von Platten oder so. Diese haben eigentlich immer die gleiche Größe, was mit ein Grund ist, dass die Zimmergröße in Japan nicht in qm sondern in Tatami-Einheiten angegeben wird.

Weitere Fotos folgen.

Nun noch kurz, was sonst so passiert ist. Uni ist echt anstrengend und viiieeel Arbeit. Ich hab zudem endlich aufgegeben und mir die Haare abschneiden lassen. Mich hat es wirklich genervt, dass jede Woche mindestens zweimal irgendjemand auf mich zukommt und mich umstylen, schminken oider umfrisieren will. Der Höhepunkt war, als ich aus dem einem stylischen Friseursalon in Harajuku zur Vorbesprechung, wie viel sie mir denn abschneiden dürfen (Harajuku ist ein Viertel in Tokyo, von dem man sagt, dass da neue Trends geboren werden. Als eine der vielen Mädels, die mich anquatschen, meinte, dass sie da arbeitet, hab ich ihr wenigstens eine Chance gegeben und bin da hin, um es mir anzugucken ;)), rauskam und auf der Straße kurz stehen blieb, direkt die nächste Tuse von irgendeinem anderen Hairsalon kommt, meine Maße, Größe, etc wissen will und von mir verlangt, Montag die Uni zu schwäntzen, um für sie bei ner Show mitzumachen, wo sie mich stylt. Ich mein, gibts seit dem Erdbeben zu wenig Ausländerinnen in Tokyo, die man anschwatzen kann?! Alsi hc beim letzten mal hier war, ist mir das nicht so oft passiert. Jedenfalls, lange Rede kurzer Sinn: Die Haare sind ab. Ein kinnlanger Bob nennt sich das, denke ich. Auch hier folgen Fotos später.

Ab morgen ist eine Woche frei an meiner Uni, weil wir Unifest haben. Unifeste sind ein großes Ding hier in Japan, aber darüber schreibe ich demnächst. Mein Chor hat es auch deshalb nicht versäumt, von Samstag bis Dienstag auf Chorfahrt zu fahren, wo wir laut Zeitplan jeden Tag 10 std proben… Ich hoffe, es klingt härter, als es wirklich ist. Aber trotz etwas Angst vor Stimmverlust freue ich mich riesig und hoffe, ein paar Fotos für euch machen zu können. Direkt im Anschluss werde ich mittwochs erst aufs Unifest für ein paar Stunden gehen und dann fahre ich nach Kamakura. Aber dazu auch erst irgendwann später.

Ihr merkt also: busy busy, die liebe Laura.

Trotzdem denke ich oft an euch und würde gerne mit euch einen Glühwein trinken gehen! Auch wenn es hier recht kalt geworden ist und in den Kaufhäusern einem unerträglich schnulzige Weihnachtslieder entgegenplärren, so ist es trotzdem kein Vergleich und es kommt irgendwie keine Stimmung auf. Naja.

So viel für heute. Macht es gut und bleibt gesund!

Liebe Grüße aus Tokyo!!! 🙂

GORILAura