gorilaura

Back in Japan

Diskriminierung(?) 6. Juli 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 1:29 am

Bisher habe ich mich nach Möglichkeit immer versucht von dem Thema fern zu halten, weil es so viele extreme Meinungen darüber gibt und ich ja ein Verfechter des Gedanken bin, dass wenn man in ein fremdes Land geht und offensichtlich anders aussieht, die Sprache des Landes nicht (oder nicht perfekt) beherrscht, etc, es normal ist, dass man sich mit verschiedenen Reaktionen zur eigenen Person auseinandersetzen muss, da man nun einfach anders ist. Das bedeutet meiner Meinung nach aber nicht, dass das alles Diskriminierung ist. Und natürlich sind von Land zu Land die Reaktionen auch verschieden. Nehmen wir ein Land wie die USA, dessen Bevölkerung bereits grundsätzlich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammengesetzt ist, so dass bei Eskalationen zum Beispiel um Bräuche, natürlich auch zu extremen rassistischen und diskriminierenden Situationen kommt, aber, wenn man nun als Ausländer (in meinem Fall besonders als Frau mit weißer Haut) nun dahin kommt, so wird man wahrscheinlich nicht angestarrt werden und aufgrund das Englisch Weltsprache ist, wird davon ausgegangen, dass man zumindest simple Konversationen führen kann. In europäischen Ländern wird es ähnlich, wenn nicht sogar noch einfacher sein, wenn man die Grenzen überschreitet und sich versucht, in dem anderen Land zurecht zu finden. Man muss sich besonders vor Augen führen, dass auf vergleichsweise engem Raum viele Länder und Kulturen angesammelt sind und man sich einfach kennt, weil man Nachbarn ist, weil man die gleiche Währung hat und weil man in der Geschichte über tausende von Jahren mit einander zu tun hat. Das schafft eine Verbindung, ein Verständnis und eine Vorstellung für die verschiedenen Länder um einen herum und den Menschen, die in ihnen leben. Und meiner Meinung nach ist das ein Grundverständnis, dass nicht nur bloß durch Fernsehen oder Bücher vermittelt wird, sondern dadurch, dass man selbst jeden Tag Menschen sieht, die vielleicht eine andere Hautfarbe haben als man selbst, die eine andere Muttersprache sprechen und man selber so oft in die Situation kommt, irgendwo Ausländer zu sein.

Nun, jetzt gehen wir aber mal in Regionen, die weit weg sind, deren Menschen (auch geschichtlich) nicht viele Erfahrungen mit anderen ethnischen, sozialen und kulturellen Gruppen und Menschen haben. Ich persönlich denke, dass die meisten Reaktionen der Menschen dort erst mal von Neugier motiviert sind. Das fängt an, dass sie die Haut oder die Haare anfassen möchten, vielleicht nicht glauben können, dass man ihren Sprache spricht und sie sich über so allmögliches wundern, was der „Fremde“ so macht und tut. Das klingt ziemlich primitv, ist es aber nicht. Schließlich ist jeder bei neuen Dingen und Erfahrungen erstmal in einer gewissen Art dasziniert. Oder einfacher gesagt: Selbst wenn ich schon tausend mal gehört, gelesen oder vielleicht sogar im Fernsehen gesehen habe, dass Sonnenuntergänge schön sind, so bin ich doch trotzdem beeindruckt, fasziniert und vielleicht sogar überrascht, wie schön so ein Sonnenuntergang ist, wenn ich ihn das erste mal mit eigenen Augen sehe. Wir Leute aus Europa vergessen mit den Jahren einfach nur, wie es ist, etwas Neues zu sehen, zu leben oder zu entdecken, weil wir bereits als Kinder mit so vielen Möglichkeiten überschüttet werden, Wissen zu sammeln, Menschen verschiedenster Hintergründe zu begegnen, verschiedene Sprachen zu hören. Aber wenn ich nachdenke, erinner ich mich noch ziemlich gut, wie fasziniert ich mit 12 Jahren zunächst von den Augen meiner Freundin Anja war, deren Mutter von den Philipinen ist, und das obwohl ich natürlich schon tausende Asiaten im Fernsehen oder irgendwo auf der Straße gesehen habe. Aber direkt vor einem Menschen zu stehen und bewusst und unterbewusst langsam zu analysieren und zu begreifen, dass er etwas mehr anders ist als sonst so die Menschen um einen herum löst doch wahrscheinlich noch einmal was anderes in einem aus.

Ich könnte jetzt noch Stunden weiter schreiben und noch irgendwelche Vergleiche zu afrikanischen Ländern und allmöglichen ethnischen Gruppen ziehen, aber ich denke, was ich sagen wollte, ist jetzt auch so klar geworden.

Und um nun das ganze auf Japan zu beziehen, worauf ich ja eigentlich hinaus will (haha ^^;): Ich halte es nicht für Diskriminierung, wenn Menschen meine Fähigkeiten, Japanisch zu sprechen oder  mit Stäbchen zu essen, loben.  Auch das Angestarrt werden oder dass sich jemand vielleicht im Zug nicht neben mich setzt, obwohl da Platz ist, passiert für mich nicht aus rassistischen Motiven. Zugegeben, solche Dinge nerven oft, und wenn ich jedes Mal einen Cent dafür bekommen würde, dass man mir sagt, dass ich riesig bin, dass ich wahrscheinlich Bier mag oder dass mein Japanisch toll ist, wäre ich bereits reich, stinkreich. Aber all die Leute, die das als fiese Diskriminierung anprangern, suchem meiner Meinung nach nur nach einem Grund sich aufzuregen und denken nicht viel über ihre Mitmenschen, über ihre eigenen Handlungen und die gesamte Situation nach.

Nach reiflicher Überlegung gestern, habe ich festgestellt, dass auch wenn ich selbst schonmal gedacht habe, dass die oben genannten Dinge diskriminierend sind, dass ich aber eigentlich in insgesamt fast zwei Jahren, die in diesem Land verbracht habe, nur nie wirklich diskriminierend oder rassistisch behandelt worde bin. (Und ich denke, dass sehr viele Menschen mit Migrationshintergund in Deutschland das nicht von sich behaupten können.) In 90% der Fälle (die restlichen 10% ignorieren die Tatsache, dass man einen Ausländer vor sich hat oder ist vielleicht wirklich an den Umgang mit Ausländern gewöhnt) freuen sich die Menschen, mit mir reden zu können, sind Neugierig, was mich (vielleicht nicht unbedingt meine Person) angeht, und ich selber bekomme dadurch eine große Möglichkeit jemanden einfach durch meine Existenz glücklich zu machen (man hat nicht einfach nur gesagt bekommen, dass man hübsch aussieht, nein man hat von einer großen Weißen, die man selber für hübsch hält, gesagt bekommen, dass man bezaubernd aussieht, etc ^^).

Nun, das alles sprudeln aber gerade aus mir aus und die ganzen Überlegungen bewegen mich gerade sehr, da ich gestern wirklich zum allerersten mal hier in Japan diskriminiert wurde. Und dass ich so geschockt darüber bin, beweist nur zusätzlich, dass ich mich eigentlich nie mit Diskriminierung im eigentlichen Sinne auseinandersetzen musste.

Gestern auf der Arbeit gab es einen Tisch mit drei Frauen mittleren Alters, die mich komplett ignoriert haben, wenn ich Sachen an ihren Tisch gebracht habe oder sie nach den Getränken gefragt habe und als ich auf ihr Rufen hin bin, um die Bestellung aufzunehmen, hat die eine mich weggewedelt und meine Kollegin hergerufen, die aber eigentlich die Hände voll hatte. Zum Abschluss hat die andere mir mit bescheuerten Handzeichen und einer Artikulation der Wörter, als ob ich taub oder behindert wäre, verständlich gemacht, dass sie die Rechung will. Das Ganze hat mich wirklich geschockt und mein Vorgesetzter und meine Kollegin waren sehr süß und haben für mich über die Frauen leise geflucht, was ich eigentlich auch gerne getan hätte oder ihnen irgendwas ziemlich böse Klingendes auf Deutsch gesagt hääte. Oder auch alternativ etwas ziemlich klug klingendes auf perfekten Japanisch. Stattdessen hab ich mich in den paar Sekunden, in denen ich Zeit hatte, über die ganze Situation nachzudenken, dazu entschlossen, noch höflicher und mit dem schönsten Lächeln das ich habe, die drei weiter zu bewirten. Das war ziemlich hart und gerade bin ich gefühlstechnisch noch nicht so weit, darauf stolz zu sein, diese wahrscheinlich relativ erwachsende Entscheidung getroffen zu haben, da ich wirklich lieber der einen meine Meinung gesagt hätte, als sie mich wie Abschaum weggewedelt hat. Und ich glaube auch nicht, dass ich bei denen irgendewas im Kopf bewegt habe oder dass sie überhaupt bemerkt haben, dass ich extra-freundlich zu ihnen war oder dass ihr Verhalten einfach nur das Letzte war. Aber da kann man nichts machen. Überall auf der Welt, unabhängig von Kultur, Staatsangehörigkeit oder ethnischer Herkunft, gibt es dumme und bescheuerte Menschen und auch das sollte man mit einbeziehen, bevor man sagt, dass irgendein Land voll von Diskriminierung ist.

So und jetzt mach ich mir Frühstück und sinne noch ein bisschen über diese noch nie gemachte Erfahrung, aus der ich lernen werde ^^

In diesem Sinne,

laura

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im Ausland leben 25. Mai 2012

Filed under: Land und Leute,Uni und Alltag — loerchen @ 1:42 am

Achja, ich weiß auch nicht, warum ich diese Woche so schreibfreudig bin. Irgendwie geht mir viel im Kopf rum und es ist ja auch nichts Schlechtes nach langer Zeit nochmal längere deutsche Texte zu schreiben.

Gestern war ein recht -wie soll ich sagen- nerviger Tag… Es wird von Tag zu Tag wärmer und teilweise auch drückender, was bedeutet, dass man sich in den vollen Zügen schon recht zusammenreißen muss. Dann haben wir in der Uni geschlagen zwei Stunden über das Ie-System geredet. Für alle, die nicht wissen, was das ist, bitteschön: http://en.wikipedia.org/wiki/Ie_%28Japanese_family_system%29

Ich für meinen Teil bin mit dem System der Familie schon so oft während meines Studiums genervt worden, dass es mir egal ist, auf welcher Sprache man darüber spricht- ich möchte es einfach nicht mehr hören! Da aber meine Kommilitonen nicht alle einen japanologischen Hintergrund haben, mussten wir das ganze gestern nochmal dermaßen auseinandernehmen, dass mich die Langeweile während Hitze und Schwüle fast umgebracht hat. Daraufhin bin ich dann nach der Uni direkt nach Ikebukuro gefahren, um in einen der größen Buchläden Japans zu gehen: Junkudo. Ich habe auch recht erfolgreich ein Buch ergattern können und bin dann anschließend nach hause gelaufen, was ein Fußmarsch von ungefähr 15min ist.

Nun, auf diesem Fußmarsch ist mir so einiges durch den Kopf gegangen. Und zwar: was macht das Leben im Ausland so anders und warum kann man sich an fast alles gewöhnen, wenn man erstmal eine Zeit da ist.

Eine der größten Herausforderungen, wenn man ins Ausland geht, ist das Abschiednehmen. Natürlich ist es schwer, sich von Familie und Freunden auf bestimmte Zeit zu trennen und jenachdem wie die Umstände sind, weiß man auch nicht, wann man sie wieder sieht. Aber davon abgesehen vergisst man viel zu oft, von seiner Umgebung, den Gerüchen und Geräuschen in dieser, seinen Angewohnheiten und Tagesabläufen Abschied zu nehmen, was dann spätestens nach einem Monat, in dem man im Ausland ist, und die erste Orientierung, Faszination und Eingewöhnungsphase abgeklungen ist, schon hart aufstoßen kann. Manchmal ist es einem garnicht so bewusst, wie sehr Dinge das eigene Gemüt beeinflussen. Natürlich habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Rike auf der Couch im Cafe Blau sitzen und Milchkaffee trinken möchte, weil das Gefühl, eine Person und die gemeinsamen Bräuche mit dieser zu vermissen, einfach viel leichter zu fassen ist. Aber erst wenn ich richtig darüber nachdenke, was mir fehlt, komme ich darauf, dass ich es beruhigend finde, am Sonntag die Kirchenglocken in der Nähe läuten zu hören und mir die ganze Atmosphäre von deutschen Sonntagen, in denen die Geschäfte zu sind, Leute im Sommer in Biergärten sitzen und man höchstens mal ein paar schreiende Kinder in der Nachbarschaft hört, mir ein Gefühl von Ruhe gibt, so dass ich nach einer anstrengenden Woche abschalten kann. Solche Dinge, wie die Geräusche oder Düfte in der eigenen Umgebung, beeinflussen mehr als man denkt und meistens bemerkt man meiner Erfahrung nach eher die Andersheit um einen herum, als dass man sich wirklich bewusst wird, dass einem der Duft von frisch gemähten Gras vom Hofgarten oder einfach der Klang seiner Muttersprache um einen herum fehlt. Besonders letzteres fählt mir immer erst auf, wenn ich nach langer Zeit nach Würselen, wo ich aufgewachsen bin, zurückfahre und die ganzen Omis um mich herum Aachener Platt sprechen 😀 Das soll heißen, dass bei dieser Art von erinnern Zeit und Entfernung eine entscheidene Rolle spielen und man sich selbst darauf stoßen muss, um zu verstehen, warum man sich in der momentanen Situation irgendwie unwohl fühlt.

Jetzt ist es aber in meinem Fall so, dass ich bereits 8Monate wieder in Tokyo lebe, mir die Dinge nicht mehr fremd sind und ich hier wieder eigene Gewohnheiten und Bräuche entwickelt habe, sowie die kleinen Dinge um mich herum zu schätzen gelernt habe, bzw ich es seltsam finden würde, wenn die nicht mehr da wären. Das Rausrollen von meinem Futon gehört genauso dazu, wie der Duft von Zitronen und viel Gemüse, das meine Mitbewohnerin morgens immer in den Mixer wirft, so dass ich fünf Minuten später in einer gesund und frisch riechenden Küche meinen Kaffee aufgieße 🙂 Ich finde es nicht mehr undangenehm oder lärmend, wenn jede Bahnstation und jeder Zug mehrfach mit dir spricht, die Bahnübergänge von einem lauten „gang gang gan“ begleitet werden, jedes größere Auto laut auf Japanisch ankündigt, dass es um die Ecke biegt und die Menschen (insbesondere die Männer) immer lauthals die Nase hochziehen. Ich mag den Duft, der aus dem Reiskocher kommt, kurz bevor der Reis fertig ist, oder die ganzen Gerüche der Speisen, die meine Mitbewohner aus verschiedenen Ländern zubereiten. Ich weiß, welchen Yoghurt ich wo kaufe, welche Wege ich gehe, mag die Dinge, die ich auf den Wegen sehe, freue mich auf einen Kaffee in meinem Lieblingskaffee am Sonntag, wenn es regnet, weil dann der Baum, der durch das Cafe geht, so schön knarrt. Und vor allem mag ich es unheimlich Japanisch zu hören und zu sprechen und ich mag die Gesten wie Verbeugungen, die man bei Unterhaltungen macht.

Diese Dinge sind mir alle aufgefallen, weil sie fremd waren, weil ich mir neue Gewohnheiten aneignen musste und jetzt, wo es nur noch etwas mehr als zwei Monate sind, in denen ich hier bin, denke ich darüber nach, sie zu verlieren, von den liebgewonnenen oder einfach gewohnten Dingen Abschied zu nehmen. Und da ich diese Erfahrung schon einmal gemacht habe, weiß ich, wie viel härter es noch wird, wenn ich dann tatsächlich wieder in Deutschland bin.

Ist das nicht seltsam? Die Erinnerung an alles, was über Jahre zum eigenen Leben dazu gehört hat, verblasst nach kurzer Zeit. Es bleibt ein Gefühl, dass irgendwie etwas fehlt, aber irgendwie wird selbst dieses Gefühl oft durch den neuen Alltag verdrängt. Und, viele Menschen machen den Fehler nach einem Auslandsaufenthalt, nicht wieder Platz zu schaffen, für die Dinge und Bräuche, die man mag in seiner Heimat. Die Trauer die man beim Abschied von der Heimat irgendwie nicht hatte, wird ersetzt von einer viel größeren Trauer, die man empfindet nachdem man nur eine kurze Zeit irgendwo verbringen konnte. Natürlich weiß ich, dass das auch daher kommt, dass man denkt, nie wieder an den Ort un in die Situation zurück zu können, während man sich in Bezug auf seine Heimat sicher fühlt. ABER, auch die Heimat verändert sich, weil man sich selbst verändert. Ich selbst bringe neue Gefühle, Ansichten und Bräuche mit und in mir kann ich vieles vereinen, selbst wenn ich nicht mehr die lärmenden Bahnen sondern lauthals Asi-Deutsch sprechende Jugendliche auf einer täglichen Basis um mich habe.

Und nun zu dem, worauf ich stolz bin. Vor drei Jahren habe ich die letzten Monate oft trauernd verbracht, weil ich nicht aus Japan weg wollte. Doch als ich dann durch Bonn gegangen bin und den Sternenhimmel gesehen habe, der nicht von Hochhäusern halb verdeckt wurde, meine Schuhe mit Staub vom Feld zwischen Würselen und Broich-Weiden bdeckt war, ich die Treppe im Haus meiner Oma hochgegangen bin, wo es diesen ganz speziellen Geruch gibt, und das alles mit den Haaren zu nem Dutt gedreht, wie es die Japanerinnen machen, mit japanischer Musik auf meinen Ohren und lauter Fotos in meinem zu hause von diesem großartigen Jahr, da war es doch gut wieder zu hause zu sein, auch wenn ich mich damals gegen dieses Gefühl mit Tränen, Geschrei und schlechter Laune gewehrt habe. Und diesmal lass ich es direkt zu, mich wieder wohl zu hause zu fühlen. Momentan denk ich zwar noch nicht viel an zu hause. Ich versuche vor allem die etwas beängstigenden Sachen wie Uni-Abschluss, Hausarbeiten, etc noch etwas beiseite zu schieben. Im Gegenzug dazu lausche ich den Gesprächen bzw den japanischen Wörtern der Menschen um mich herum und genieße meinen Alltag hier. Aber wenn ich dann wieder da bin, esse ich wieder aus leibeslust Schwarzbrot anstatt Reis zum Frühstück, fahre Bus mit meinem fantastischen günstigen Uni-Ticket und treffe mich mit meinen Freunden, die meine tolle Muttersprache sprechen, denn so schön es ist eine andere Sprache einigermaßen zu beherrschen, es gibt nichts darüber, eine Muttersprache zu haben, dessen Worte für einen hundertprozentig mit dem Gefühl verbunden sind, das man ausdrücken möchte.

Ja, Deutschland wird auch wieder schön. Und die letzten zwei Monate hier auch.

In diesem Sinne bis zum nächsten Eintrag wieder über Reisen *lol*

 

Besuch 4. April 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 4:13 am

Wie die meisten wissen, ist dies mein zweiter lange Aufenthalt in Japan und diesmal haben sich trotz Fukushima drei liebe Menschen dazu entschlossen, mich besuchen zu kommen, wohingegen ich vor drei Jahren gar keinen Besuch hatte.  Angesichts der Katastrophe im letzten Jahr, dem Medienrummel darum und der (wir wollen es nicht totschweigen) immer noch ausgehenden Gefahr von dem Atomkraftwerk in Fukushima freue ich mich noch mehr, dass sich sowohl mein großer Bruder als auch zwei gute Freundinnen von mir entschlossen hatten, mich besuchen zu kommen.

Das bedeutete für mich, dass ich nach einer Woche Verschnaufpause von den ganzen Prüfungen ungefähr immer im zwei Wochentakt mit Leuten unterwegs war und viel gefahren und gereist bin.

Zuerst war mein Bruder da und ich muss ehrlich gestehen, dass ich vorher etwas aufgeregt war. Für meinen Bruder war es die erste große Reise und für mich das erste mal, dass ich jemanden herumführen musste (möchte). Japan und besonders Tokyo kann sehr anstrengend sein und macht vielleicht auch nicht immer den besten Eindruck (Menschenmassen, Grau, laut). Zudem kommt man hier leider mit Englisch nicht sehr weit (wenn wir ehrlich sind, in Deutschland wahrscheinlich auch nicht so oft) und ich wollte unbedingt, dass es meinem Besuch hier gefällt und ihm das Land zeigen, dass ich so in mein erz geschlossen hab.

Nach einigen Gepäckproblemen bei der Einreise begann deshalb das Abenteuer für mich, das erste mal mit meinem Bruder zu reisen. Wir sind zwar nur in Tokyo und Umgebung geblieben und eigentlich fast auch nur zu Orten gefahren, die ich kenne, aber es war trotzdem nicht einfach für mich, mir gute Ausflüge zu überlegen, sie zu planen und eigentlich immer für zwei, mit den beiden Mädels dann für drei, zu denken.

Aber nach allem, was ich bisher gehört habe, muss es meinem Bruder echt gefallen haben und das macht mich sehr glücklich. Wenn man aus so einem kleinen Dorf kommt wie ich, können viele meine Begeisterung für Japan nicht ganz nachvollziehen. Aber dass mein Bruder sich auf die Kultur eingelassen hat, in den oft als strenge Regeln oder Kälte der Japaner liebesnwerte Verhaltensweisen entdeckt und verstanden hat, und so lieb war, sich meine ewig-langen Erklärungen und Beschreibungen zu allem anzuhören, hat mich echt gefreut.

Nun, was haben wir gesehen. Hier ein paar Bilder:

Wir waren in Asakusa (http://de.wikipedia.org/wiki/Asakusa), einem der älteren Stadtteile Tokyos und somit auch ein großer Touristen-Anzugspunkt, da er mit einer schönen Krimskrams-Einkaufsstraße, sowie einigen Tempeln und Schreinen lockt. Zudem haben wir hier den Sky Tree, von dem ich zuvor schonmal berichtet hatte, sowie die goldene Sch**ße, ähm, ja das soll Bierschaum darstellen.

 

 

 

Wir waren auch in Yokohama (http://de.wikipedia.org/wiki/Yokohama) und haben uns da das Chinatown angeschaut.

 

 

 

 

 

 

 

China und Japan wird ja gerne verwechselt und auch wenn es natürliche viele Ähnlichkeiten auf Grund von Adaptionen vom Festland in Baustil, etc gibt, so sieht man doch klar die Unterschiede. Für mich ist chinesischer irgendwie farbenfroher, aber auch oft kitschiger bis hin zu billig… Natürlich war ich aber noch nie in China und muss deshalb gestehen, dass auch viele Vorurteile aus mir sprechen 😉

An einem schönen sonnigen Tag waren wir auch in einer meiner Lieblingsstädte: Kamakura. Kamakura liegt ca 1-2 atd (je nach Ausgangspunkt) von Tokyo entfernt und bietet alles: Meer, Berge, Tempel, Schreine, süße Einkaufsstraßen und eine unheimlich nette Atmosphäre. Ich bin dort sehr oft und gerne und neben den touristischen Attraktionen wie zum Beispiel dem Daibutsu (große Buddha-Statue) oder dem Hasedera (Hase-Tempel), wo hunderte, wenn nicht sogar tausende Jizô-Figuren (http://de.wikipedia.org/wiki/Jizo) aufgestellt sind, kann man dort schön am Strand oder Wald rumschlendern oder sich die süßen Läden in dem Städtchen anschaun.

In Tokyo selbst waren wir natürlich auf dem Gouverment Building, auf das man umsonst kommt und von dem aus wir einen einzigartigen Blick auf den Sonnenuntergang mit Fuji hatten. In einer meiner Lieblingskneipen in Shibuya waren wir auch. Dort ist alles auf Showa-Zeit (Anfang 20.Jahrhundert) gestylt, es läuft alte Musik und man kann bei Yakitori (gebratene Hühnchenspieße) und anderen japanischen Snacks gemütlich ein kühles Bier genießen. Die Bedienung dort ist lustig und nett und als kleine Randbemerkung: Dort begann meine Identität als Frau Yamashita. Da ich relativ oft Abende mit Freunden organisiere und es leid war, dass man bei der Reservierung meinen Namen nicht versteht, habe ich mir den Namen Yamashita gegeben. Den kann ich sogar angetrunken noch schreiben und er ist so bekannt wie Müller oder Schmitz in Deutschland ^^

Wir waren außerdem in einem alten japanischen Garten in Tokyo, von dem ich selber lange nichts wusste, und sind vom Hafen in Tokyo bis nach Asakusa mit dem Boot gefahren.

An einem der letzten Tage haben wir dann unseren größten Tagesausflug nach Nikko gemacht, dass ca 2-3std von Tokyo entfernt ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nikko) Nikko ist sehr alt und trumpft mit richtig alten Tempelanlagen, einer unheimlich schönen Natur und Weltkulturerbe.

 

 

 

 

Die drei Äffchen hier werden wohl auch schon die meisten von euch gesehen haben.

Außerdem haben wir in so einem tollen Laden zu Mittag gegessen. Die ganzen Wände und Decke waren mit Zetteln, Bildern und andersartigen Nachrichten von Menschen aus der ganzen Welt versehen und eine kleine Oma schmiss das ganze. Wir haben richtig lecker gegessen und uns dann auf die Heimreise gemacht.

 

Gut, soviel zunächst für diesen Informationsschwall. Demnächst dann mehr zum Rest meiner Ferien 🙂

 

Die kleinen Dinge im Leben 17. Januar 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 2:51 pm

So, drei Prüfungen geschafft, noch 5 und ein Kanjitest to go. Die wollens hier echt wissen und wir erinnern uns an Laura in den ersten zwei Uni-Wochen im September: Laura denkt: Ach, 11 Kurse mit 12 Wochenstunden schaff ich doch mit links (haha, Naivchen). Ja, die Hausaufgaben kann ja nicht so viel werden (genau…). Und ist ja schließlich normal, dass man dann am Ende des Semesters Tests hat (du Riesen-Depp! Es ist auch normal, dass die dann alle auf einmal im zweiwöchigen Prüfungskorridor liegen!!! *argh).

Nun, ändern lässt sich daran nichts mehr. Ich habe mir nur geschworen, das sich im nächsten Semester weniger Kurse nehme und nur welche mit coolen Lehreren und Inhalten, die mir Spaß machen. Alles andere hab ich schon wieder früh genug, wenn ich dann wieder an der Uni Bonn bin. Und bis hier das Semester weider los geht, bzw hier das alte endlich geendet hat, fahre ich erstmal ganz viel rum mit meinem Bruder, Jessica und Sarah. Und es ist doch toll, wenn man sich auf etwas freuen kann.

Jetzt zu den kleinen Dingen. In Vorbreitung auf unseren Auslandsaufenthalt sind wir viel gefragt worden, wie wir Deutschland und die Uni Bonn presentieren können und würden. Erwartet wurden da Antworten wie „einen deutschen Abend organisieren“, „sich ordentlich benehmen an der Gast-Uni und bei eventuellen zukünfiten Austauschstudenten dort Interesse für die Uni Bonn erwecken“.

Ich für meinen Teil denke allerdings etwas anderes über die Sache. Und das möchte ich an drei kleinen Begegnugen der letzten Woche kurz beschreiben. Die erste Begegnung war letzte Woche Donnerstag mit einem der Hausmeister. Ich fahre zur Zeit immer morgens früh in die Uni, um im siebten Stock des Südgebäudes noch vor dem Unterricht eins zwei Std zu lernen. Dort gibt es einige Tische und Stühle und man sieht über das Häusermeer bis hin zum Tokyotower, was mich gerne je nach Sitzpositionen auch schon mal vom Lernstoff abschweifen lässt. Ich sitze dort morgens immer erst eine Weile allein und der einzige, dem ich begegne im Gebäude ist der Hausmeister. Letzten Donnerstag kommt der Hausmeister nun also in diesen Raum mit Tischen und Stühlen, um dort die Müllbeutel zu wechseln. Ich war mir unsicher, ob ich was sagen soll zur Begrüßung, und während ich noch drüber nachdenke, größt er mich mit „good morning“. Ich fange an zu grinsen und sage „ohayou gozaimasu“. Darauf grinst er zurück und macht dann weiter seine Arbeit. Nach einiger Zeit kommt er in den Raum zurück und fragt mich, was ich denn lerne würde, dass ich schon so früh da sitze. Daraufhin unterhalten wir uns kurz und unkompliziert, bis wir uns beide wieder unserer Arbeit witmen. Das alles mag für die meisten vielleicht unwichtig oder nicht erwähnenswert klingen, aber gerade so kleine Gespräche mit Fremden, die ohne Scheu und ohne übertriebenes Loben meines Japanischen mit mir sprechen, erheitern mir unheimlich den Tag. Und andersherum glaube ich auch, dass ich ihm eine Freude gemacht habe, indem ich mich auch mit ihm ganz ungezwungen geredet habe, wo er doch sonst immer nur durch die Mengen von reichen Keio-Studenten durchläuft. Seitdem habe ich ihn zweimal gesehen und beide male gegrüßt, wovon er überrascht war (beim ersten mal war ich mit Freunden unterwegs).

Diesen Dienstag war dann folgendes: Also, ich geh jeden morgen um ca halb 9 in den kleinen Convinience Store auf dem Weg zur Uni und kaufe mir eine Flasche Wasser und irgendeine Art Brötchen (bzw süßes Brotähnliches etwas…). Der Laden ist morgens immer total überfüllt von ähnlichen Frühstückskäufern wie mich, die auf dem Weg zur Arbeit nur schnell da rein springen. Es gibt fünf Kassen auf einer Theke aneinandergereiht, obwohl der Laden so klein ist. Und diese Kassen sind jeden morgen voll besetzt und eigentlich huscht man da auch nur schnell hin, bezahlt und wechselt eigentlich auch nie viel Worte, weil hinter einem ja eine Schlange ist. Ansolchen Kassen arbeiten nur Nebenjobler im Normalfall. Im Fall von diesem einem Convinience Store (auf japanisch: Kombini) steht dort immer eine kleine Oma, die einen nett mit einem Lächeln begrüßt, das junge Mädel mit der zu großen Brille, die nie in Stress gerät, der Typ, der definitiv Student ist, eigentlich total unmotiviert ist, es sich aber mit aller Macht nicht versucht anzumerken, der Typ, von dem ich glaube, dass er der Geschäftsleiter ist, und ein schlacksiger junger Japaner, der, hoho, größer ist als ich und wahrscheinlich auch so in meinem Alter oder vll was jünger. Nun, ich schätze, inzwischen kennen sie mein Gesicht (die riesen Ausländerin, die jeden Morgen eine Flasche Wasser und was Süßes kauft). Und eigentlich fast jeden morgen merke ich, wie dieser schlacksige ungewöhnlich große Japaner vergeblichst unbemerkt in meine Richtung schaut, wenn ich reinmaschiere, obwohl er bei dem Trubel eigentlich keine Zeit dazu hat. Ich komme auch nur selten an seine Kasse (ist ja schließlich ähnlich wie Glücksspiel) und wenn, sage ich eigentlich immer nur, dass ich keine Tüte brauche und das wars. Bis gestern (obwohl man das auch nicht wirklich als Gespräch bezeichnen kann *lach*). Nun, zwei Kassen werden gleichzeitig frei und ich geh also nach hinten durch zur Kasse von diesem besagten Jungen. Er grüßt wie immer, wobei er mich nicht direkt anschaut und ich ihn nicht, weil man das irgendwie nicht macht hier, und während ich meine Sachen auf den Thresen lege, frage ich, ob ich auch mit meiner Bahnkarte bezahlen kann. Die Sache mit diesem Bahnkart-Bezahlen ist, dass da so ein Feld vor der Kasse ist, wo man die Karte drauf legt und es dann piept und dann wird das Geld von deinem Bahnticket sozusagen abgezogen. Ich schaue also Richtung dieses Feldes beim Hinlegen meiner Sachen, weil ich ihn ja nicht direkt anschauen kann/mag, frage Besagtes, was er bejaht und mit einer heftigen und total umständlich Bewegung das Feld zuhält, weil er die Sachen ja noch nicht gebongt hat. Da mir ja klar ist, dass er die Sachen erst bongen muss, bevor ich bezahle, seine Verrenkung einfach zu witzig war und ihm das im gleichen Moment auch alles auffällt, fangen wir total an zu lachen und haben uns dann auch Tatsache angesehen und herzlich ehrlich angelacht. Ich habe es dann auch geschafft, im richtigen Zeitpunkt zu bezahlen, meinte nur noch kurz grinsend, dass meine Frage sich danach richtete, ob die Möglichkeit überhaupt besteht mit der Bahnkarte zu zahlen und musste dann auch schon Platz für den nächsten machen.
Also, das ganze nicht falsch verstehen. Das alles hat nichts mit amorösen oder ähnlichen Dingen zu tun. Der Moment, wo das Eis so ein bisschen gebrochen war (grundsätzlich sind ja viele Japaner erst mal unsicher gegenüber Ausländern, weil sie Angst haben, Englisch sprechen zu müssen, oder das wir Ausländer irgendwelche Abläufe nicht verstehen) und wir so gelacht haben, bringt mich nur bis gerade noch zum lächeln und hat mich den ganzen Tag hindurch trotz lernen aufgeheitert.

Und als letztes eine kurze Szene aus der Bahn heute morgen. Ich schaffe es eigentlich meistens mir nach eins, zwei Stationen, einen Sitzplatz zu ergattern, auf dem ich dann die restlichen 25 min lernend verbringe und den immer voller werdenden Zug einfach ausblende. Ich nehme meistens noch nicht mal mehr die zusammengequetschten Anzugträger um mich herum wahr. Allerdings ragen meine Stampfer auch beim sitzen etwas weiter in den Gang rein als bei den Kurzbeinigen Japanern und so kommt es oft vor, dass Leute nicht anders können, als ihre Taschen gegen meine Beine zu halten oder ihre eigenen Beine. Das registriere ich, lasse mich davon aber nicht weiter stören. Heute merke ich jedoch, eigentlich vertieft in meinen Lernstoff, dass die Knie, die sich gegen meine pressen, irgendwie nachgeben. Und als ich hochschaue, sehe ich, wie der ältere Mann im Anzu vor mir, langsam zusammensackt, allerdings nicht hinfällt, weil der Zug ja so voll ist. Ich halte ihn also an den Armen fest und sage: Geht es Ihnen gut. Moment setzen Sie sich. Die ganzen herumstehenden Japapner, aufgeschreckt von der auf einmal Japanisch sprechenden Ausländerin (manchmal sind die Japaner echt dämlich), realisieren dann, dass der arme Mann von der Hitze und dem ganzen Gequetsche kurz vorm Zusammenbruch steht und helfen mir, ihn auf meinen Platz zu hiefen, was bei der Menschenmenge nicht einfach war. Der Mann hat sich dann zum Glück schnell wieder erholt und konnte ein paar Stationen später austeigen, wobei er sich noch flüchtig bei mir bedankt hat.

Ich schätze, dass es hier mehr oder weniger Alltag ist, dass Menschen im Zug zusammenklappen und so war nur ich mehr besorgt, um den Mann dort, während es für die Leute um mich herum zur einfach Realität gehört, dass sowas passiert. Daran sieht man, wie relativ Realität ist und wie sehr wir doch in unseren Empfindungen und Denkensweisen von unserem Umfeld und den Dingen, an die wir gewöhnt sind, beeinflusst werden. Was haben nun die drei Ereignisse gemeinsam? Ohne zu weit ausholen zu wollen, muss ich nochmal kurz darauf verweisen, dass man in Japan nicht wie wir in Deutschland an Ausländer gewöhnt ist. Das heißt, viele kennen andersaussehende Leute nur aus dem Fernsehen und haben vielleicht noch nie mit einem Ausländer gesprochen, wohingegen wir daran gewöhnt sind, das bröckelige Deutsch von nicht Deutschmuttersprachlern zu verstehen und schon im Kindergarten mit anderen Kindern aus verschiedenen Herkunftsländern zu spielen. Ich glaube natürlich nicht, dass die drei Männer das erste mal mit einer Ausländerin überhaupt gesprochen haben. Aber trotzdem beeinflusst jeder Kontakt mit uns „nicht-Japanern“ das Bild und die Meinung über die Welt außerhalb des Inselstaates, was uns somit zu klitzekleinen Botschaftern macht, die ohne viel Diplomatie, aber mit einem Lächeln oder einem guten Wort viel in einem einzelnen beeinflussen können. Und auch wenn ich keinen deutschen Abend organisiere oder die Uni Bonn in den Himmel preise, finde ich doch, dass ich auf eine gewisse Art Verantwortung übernehme. Und es ist doch im Endeffekt egal, dass die Leute nicht wissen, dass ich Deutsche bin oder aus Bonn komme. Es ist doch viel wichtiger, dass sie erfahren, dass man mit uns lachen kann, mit uns befreundet sein kann und wie unterschiedlich wir oder unsere Realitäten auch sind, man trotzdem zusammen leben und viel mit einander teilen kann.

Und ich für meinen Teil hab aus allen drei Begegnungen nur Positives mitgenommen. Seit dem Gymnasium habe ich kennen Hausmeister mehr gekannt geschweigedenn gergüßt und das ganze gibt der Uni hier irgendwie was Heimiliges, dass ich zumindest einen von denen außer den Lehrern kenn *lach*. Der Junge im Kombini ist einfach putzig und die Situation war einfach urkomisch und hat meinen Tag trotz Lernstress echt aufgeheitert. Ich werde ihn jetzt immer grüßen, wenn ich nochmal an seine Kasse komme. Und natürlich bin ich nicht froh, dass der Mann da heute morgen zusammengesackt ist. Aber ich bin froh, dass ich doch so schnell reagiert habe und ich alles so gemacht habe, so wie es meiner Moral entspricht und nicht irgendwas nicht oder zu spät getan habe und mich nachher über meine Bescheuertheit ärgere.

Es sind in meinem Fall wirklich die kleinen Dinge im Leben, die mich zum nachdenken bringen und mir viel für den Alltag geben.

Im diesen Sinne,

eure GORILAura

 

Freunde der Kastanie 22. Oktober 2011

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 7:15 pm

Ja, ich weiß. Es ist fast 4 Uhr früh morgens in Japan. Aber ich bin so aufgedreht und megaglücklich, dass ich doch noch hier reinschreiben muss. Ebenfalls in der Hoffnung, dass ich davon endlich müde werde und schlafen gehen kann.

Wie einige von euch wahrscheinlich wissen, habe ich 2009 einen japanischen Chor nach Paderborn begleitet und ein bisschen übesetzt und versucht zu helfen, wo es geht. Ich hatte die Stimmtrainerin des Chors bereits im Juni kennengelernt (kurz bevor ich zurück nach Deutschland musste) und mit ihr in Japan begonnen Texte, Programmhefte und so weiter zu übersetzen. Das Meiste dieser Arbeit hatte ich dann aber mit nach Deutschland genommen und in der Zeit bis Oktober habe ich meine Abende mit Übersetzungen verbracht. Die zwei Monate damals waren nicht leicht für mich. Der Kulturschock, wieder in Deutschland zu sein, meine Oma war damals schon schwer krank und ich hatte mich um sie gekümmert und viele andere Dinge, die mich einfach überfordert hatten. Trotzdem hat mir das Übersetzen großen Spaß gemacht und ich war sehr aufgeregt, nach Paderborn zu fahren und ca 40 Japaner „zu betreuen“. Und ich muss sagen, dass diese 4 Tage in Paderborn zu eine der bleibensten Erinnerungen an meine Zeit in Japan geworden sind. Natürlich war ich da schon in Deutschland, aber in meinem Kopf ist beides untrennbar miteinander verbunden. Die Leute des Chores (den man auf Deutsch übersetzt „Freunde der Kastanie“ nennen würde(栗友会), da der Dirigent mit Namen Kastanienberg heißt ^^) waren alle so unsagbar nett zu mir, warm, herzlich und alle haben mich aufgenommen, als wäre ich ein Teil ihrer Familie. Und damit untertreibe ich nicht. Mit einigen habe ich die zwei Jahre in Deutschland hinweg auch per Brief Kontakt gehalten und ihr könnt euch garnicht vorstellen, wie sehr ich mich heute darauf gefreut habe, sie alle wieder zu sehen. 🙂

Zuerst bin ich mit der besagten Stimmtrainerin, die ein fantastisches Deutsch spricht, mein Lieblingsessen, Okonomiyaki (eine Art herzhafter Pfannkuchen) essen gegangen, um dann der letzten halben Stunde der Probe zu lauschen. Ich komme also im fünften Stock des Gemeindezentrums in Ikebukuro an und steuere auf die große Tür, aus der Licht auf den Korridor fällt zu und als ich den Raum betrete, drehen sich über 40 Leute um, strahlen mich an und fangen an zu klatschen, zu winken und mir Willkommensgrüße zuzurufen. Ich war so überwältigt, dass ich ganz rot geworden bin und mich unentwegt verbeugt habe (nicht, weil ich ein Star bin, sondern weil man das ja schließlich in Japan zum Gruß macht ^^). Da der Chor viel größer ist als die Gruppe, die nach Deutschland kommen konnte, wurde ich nach dem Ende der Probe nach vorne gebeten, um noch ein paar Worte vor den ÜBER 40 LEUTEN zu sagen. Ehrlich ,ich bin fast gestorben vor Aufregung. Vor vielen Menschen auf Japanisch reden ist echt nicht einfach. Aber ich habs einigermaßen hingekriegt und wieder ist mir so viel Wärme entgegengesprudelt, dass mein kurz ausgesetztes Herz wieder riesen Sprünge gemacht hat (tut mir leid wegen den ganzen Schmalzworten, aber es war wirklich schön). Danach sind wir in der riesen Gruppe trinken/essen gegangen. In Japan wird während des trinkens eigentlich immer eine Kleinigkeit gegessen und so fand ich mich in einem riesen Raum mit Tatami ausgelegt wieder, in dem wir an drei großen Tischen Platz nahmen. Ich durfte/musste/sollte neben dem Dirigenten (ich mag den Dirigenten, nicht falsch verstehen ^^ Es bedeutet zwar doppelte Aufregung, weil ich ja viel höflicher mit ihm sprechen muss und Angst habe, es zu verpatzen, aber er ist einfach ein großartiger Mensch und zudem unheimlich witzig ^^) und Maru-san sitzen, der einer der liebsten von allen ist. Und als alle ihr Bier und ihren Nihonshuu hatten, haben alle auf mich geprostet. Ich wünschte, ich hätte ein Bild davon, aber ich glaube, ich werde den Anblick auch nie vergessen, wie diese ganzen tollen Menschen mich anstrahlen und mir ein gutes Jahr hier wünschen. Ich weiß garnicht so richtig, wie ich es beschreiben soll, aber trotz der nur geringen Zeit, die wir mit einander tatsächlich verbracht haben, geben mir alle so ein bisschen das Gefühl, dass ich ihr „Kind“ wäre… *lol* Ja, Kind trifft es irgendwie. Ich fühle mich geborgen und gemocht und heute hatte auch irgendwie alles ein bisschen was von Weihnachten für mich. So, wie Weihnachten halt sein sollte: Man freut sich, zusammen zu sein, und verbringt einen schönen Abend zusammen.   Im Laufe des Abends bzw des späten Abends, da wir erst um 9 aus der Probe kamen, habe ich immer Platz gewechselt und versucht mit allen ein paar Worte zu wechseln. Und auch das hat mir wieder ein bisschen neuen Mut gegeben, dass ich ja doch ein wenig Japanisch kann, woran ich die letzten Wochen nicht mehr so geglaubt hatte. Nein, eigentlich war es mir egal, wie viel ich kann oder nicht, es war mir viel wichtiger, mit allen zu sprechen und das sollte doch der eigentliche Sinn von Sprache sein und nicht die Angst einen grammatikalischen Fehler zu machen. Oh und nun noch der Fun-Part des ganzen. Vitamin B auf Japanisch. Es wurde extra 4 Studenten von der Keio eingeladen, die dort Mitglieder in DEM Keio-Chor sind. Der Dirigent und die besagte Stimmtrainerin proben und üben auch manchmal mit ihnen und jetzt der Witz: Ich werde jetzt wohl Mitglied dieses Chores. … … Ja, Lachen ist erlaubt. Jeder, der mich schonmal singen gehört hat, weiß, wie lächerlich das eigentlich ist. Aber man soll ja niemals nie sagen und alles mal probieren. Also werde ich mich anstrengen und an dem Chor teilnehmen 🙂 Davon mal abgesehen, dass ich die Musik unheimlich schön finde. Vielleicht komme ich jetzt in das Alter, wo mir auch klassische Musik liegt 😉 Ich habe dann später herausgefunden, dass das extra so eingefädelt wurde, dass die vier kommen, als klar war, dass ich auch da sein werde.

Nunja, das war mein Abend. Er ging, was das anging, um halb 12 zu Ende, weil ich ja den letzten Zug nehmen musste. Was danach passierte, schreib ich vielleicht ein anders mal. Aber jetzt bin ich glücklich, zufrieden und endlich müde.

Ich wünsche euch eine wundervolle gute Nacht!