gorilaura

Back in Japan

Im Zoo 29. März 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 11:47 am

Hallo und direkt ein „Entschuldigung“ hinterher, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.

Schuld waren die Frühjahrsferien, die nach nun zwei Monaten zu Ende gehen. In diesen zwei Monaten habe ich viel gemacht, gesehen und erlebt, was ich alles in verschiedenen Einträgen festhalten möchte. Aber zuerst zu zwei wichtigen Verkündungen.

1.: Der Frühling ist da! Donnerwetter, wars hier lange kalte und zwischendurch hat es sogar nochmal geschneit. Aber nun wird auch in Tokyo für nächste Woche die Sakura (Kirschblüte)  erwartet, wovon ich dann in nächster Zeit berichten werde ^^

2.: Ein neues Semester (dass bei der Keio natürlich wieder wesentlich früher als bei allen anderen Unis anfängt) bedeutet auch (wiederum nur bei der Keio) wieder einen neuen Placement-Test für Japanisch! *yeeeaaah* Dieser fand Dienstag statt und ich war ruhiger, konzentrierter und besser gelaunt als beim letzten mal und bin mit dem Gefühl reingegangen, dass ich das jetzt in den dreieinhalb std rocken werde. Und tatatata, heute kamen die Ergebnisse und mein Selbstbewusstsein hat wieder Boden unter den Füßen: Ich bin in Level 10 von 12!! Das ist einfach nur der Hammer, weil auch der Kurs so cool ist (wir haben ein Lehrbuch, dass auf soziologischen Texten aufgebaut ist ^^) und die Lehrerin so toll ist *hach* ❤ Aber dazu schreibe ich demnächst mehr.

Nun also zum Titel dieses Eintrags: Zoo. Da das Leben hier doch recht kostspielig ist und ich bei meinem diesigen Japan-Aufenthalt endlich reisen wollte, habe ich mir einen Nebenjob gesucht, bzw ein guter Freund von mir, hat mich bei seiner Arbeitsstelle empfohlen. Diese Arbeitsstelle ist eine japanische Bar/Restaurant im japanischen Stil. Das bedeutet, es gibt viel japanischen Schnapps mit vielen (für mich) unlesbaren Namen, viel frisches und hochqualitatives Essen und das alles in einem typisch japanischen Ambiente: auf dem Boden gemütlich sitzen, eventuell am Tisch Nabe (japanischer Eintopf) oder Yakiniku (gebratenes Fleisch) selbst zu bereiten, brutzeln und köcheln lassen und es sich mit seinen Freunden gemütlich machen. Und dazu tragen alle Kellnerinnen und Köche traditionelle japanische Kleidung, im Fall der Frauen Yukata (eine leichtere und unaufwendigere Variante von Kimono, die oft im Sommer getragen wird.). Dieser besagte Laden, den ich euch jetzt mal verlinke (http://wahacojp.com/bonten/), damit ihr vll einen Eindruck gewinnen könnt, ist nun um eine Kellnerin und somit eine Attraktion reicher: mich! *haha*

Was soll ich sagen, die Arbeit war recht schwer am Anfang und ist es auch jetzt noch oft. Ich konnte, wie gesagt, vieles nicht lesen. Und selbst, wenn ich es lesen kann, weiß ich trotzdem nicht, was für einen Sake (Reiswein), Shouchu (eine Art japanischer Vodka), Fisch oder änhliches ich gerade serviere, weil es oft keine Wörter bzw nur seltsame Fachwörter für die Tiere, etc gibt. Für mich ist das dann immer Fisch oder Muschel. Bzw, es ist für mich Thunfisch, nur leider gibt es im japanischen klar getrennt verschiedene Arten Thunfisch… So in etwa sieht mein Problem mit der Menu-Karte aus. Der nächste Schwierigkeitsgrad ergibt sich durch den sehr guten japanischen Service. Während in Deutschland meist die Atmosphäre in Restaurants, etc recht locker ist und unfreundliche Kellner oft an der Tagesordnung stehen, gibt es keine Grenzen für den japanischen Service, der beim Öffnen der Tür für den Gast anfängt, sich klar über die höchste Höflichkeitsstufe im Japanischen äußert (oh ja, die hab ich so langsam drauf, Baby ^^), und darin übergeht, dass es konkrete Regeln zum Aschenbecher-austauschen gibt. Ich persönlich mag das alles sehr, besonders auch, weil das alles gemacht wird, ohne dass man Trinkgeld bekommt (ja, ich finde das gut. Man möchte, dass der Gast sich wohl fühlt und wieder kommt und viele Stammgäste bringen auch schonmal was zum Knabbern oder was Süßes für uns mit oder geben uns was zum Trinken aus (ich trinke fast jeden Abend mindestens ein Bier, indem ich mit einem Gast anstoße) und danken uns so. Und ich finde es schön, jemanden einen schönen Abend bereiten zu können und dieser jemand mir danach danke sagt ^^). Und das Schöne an dem Laden, in dem ich arbeite, ist, dass man sich nett mit den Gästen (meistens Stammkundschaft) unterhält und ihnen ein guter Gastgeber ist, wie meine Freundin das schön formulierte.

Nun die Schattenseiten des Ganzen. Ich muss sagen, dass ich den Job auch mache, um mehr über japanisches Arbeitsleben zu erfahren und da ist so ein eher traditioneller Laden wirklich das Beste. Die Rangordnung ist klar geregelt und ich bin die letzte in der Nahrungskette. Mein Senpai (japanisch für eigentlich höhere Schüler als man selber ist; wird aber wie hier auch benutzt für Leute mit mehr Erfahrung als du selber und auf die man da hört) ist recht streng und manchmal hab ich echt das Gefühl, dass sie nicht glücklich ist, wenn sie mich nicht zumindest einmal kurz anmeckern kann. Wenn man angemeckert wird, selbst wenn man nichts falsch gemacht hat, entschuldigt man sich und sagt, dass man es nicht mehr tut, bzw. das man seinen Fehler verstanden hat. Das klingt vielleicht sehr hart und ist es manchmal auch. So Situationen wie: Senpai A macht was, Senpai B denkt, ich wars und schimpft mit mir. Senpai A steht daneben und sagt nichts und ich entschuldige mich bei beiden XD Aber so ist das nunmal im japanischen Geschäftsleben und ich bin sehr gut darin in „insEineOhrReinUndAusDemAnderenWiederRaus“. Das Gute an der Sache ist auch, dass mich alle wie eine Japanerin behandeln. Es wird kein wirklicher Unterschied zwischen mir und dem Rest gemacht. Das bedeutet aber auch, dass wenn ich zum Beispiel etwas nicht richtig verstehe, schonmal einen auf den Deckel kriege…

So und bevor das jetzt ewig-lang wird, nun zur Pointe: Das Interessanteste an dem Job sind die Reaktionen der Gäste. Manchmal (oder vielleicht fast immer) komme ich mir wirklich vor wie im Zoo, nur dass ich im Gehege bin. Es wird gestart, gesagt, wie süß man ist, gefragt, ob man mal anfaßen darf (meine Hände, weil sie so weiß sind…) getestet, ob der Papagei auch reden kann, gefragt, aus welchem Land das Tier stammt, natürlich muss man auch das Alter und die Körpergröße wissen und schauen, wie weit das Tierchen evelutionär ist. Heiratsanträge habe ich auch schon einige bekommen und Fotos wurden auch schon zu genüge gemacht. Aber auch wenn das alles ein bisschen seltsam klingt, es macht Spaß. Und die meisten Leute sind sehr nett und ich unterhalte mich sehr gerne mit ihnen 🙂

Wie ich breits im letzten Beitrag gesagt habe: jede dieser Begegnungen ist wichtig. Und ich finde es auch wichtig, dass Japaner wissen, dass wir nicht nur Bier trinken und Würstchen essen und auch wir samstagsabends trinken gehen, lachen und feiern.

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