gorilaura

Back in Japan

Diskriminierung(?) 6. Juli 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 1:29 am

Bisher habe ich mich nach Möglichkeit immer versucht von dem Thema fern zu halten, weil es so viele extreme Meinungen darüber gibt und ich ja ein Verfechter des Gedanken bin, dass wenn man in ein fremdes Land geht und offensichtlich anders aussieht, die Sprache des Landes nicht (oder nicht perfekt) beherrscht, etc, es normal ist, dass man sich mit verschiedenen Reaktionen zur eigenen Person auseinandersetzen muss, da man nun einfach anders ist. Das bedeutet meiner Meinung nach aber nicht, dass das alles Diskriminierung ist. Und natürlich sind von Land zu Land die Reaktionen auch verschieden. Nehmen wir ein Land wie die USA, dessen Bevölkerung bereits grundsätzlich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammengesetzt ist, so dass bei Eskalationen zum Beispiel um Bräuche, natürlich auch zu extremen rassistischen und diskriminierenden Situationen kommt, aber, wenn man nun als Ausländer (in meinem Fall besonders als Frau mit weißer Haut) nun dahin kommt, so wird man wahrscheinlich nicht angestarrt werden und aufgrund das Englisch Weltsprache ist, wird davon ausgegangen, dass man zumindest simple Konversationen führen kann. In europäischen Ländern wird es ähnlich, wenn nicht sogar noch einfacher sein, wenn man die Grenzen überschreitet und sich versucht, in dem anderen Land zurecht zu finden. Man muss sich besonders vor Augen führen, dass auf vergleichsweise engem Raum viele Länder und Kulturen angesammelt sind und man sich einfach kennt, weil man Nachbarn ist, weil man die gleiche Währung hat und weil man in der Geschichte über tausende von Jahren mit einander zu tun hat. Das schafft eine Verbindung, ein Verständnis und eine Vorstellung für die verschiedenen Länder um einen herum und den Menschen, die in ihnen leben. Und meiner Meinung nach ist das ein Grundverständnis, dass nicht nur bloß durch Fernsehen oder Bücher vermittelt wird, sondern dadurch, dass man selbst jeden Tag Menschen sieht, die vielleicht eine andere Hautfarbe haben als man selbst, die eine andere Muttersprache sprechen und man selber so oft in die Situation kommt, irgendwo Ausländer zu sein.

Nun, jetzt gehen wir aber mal in Regionen, die weit weg sind, deren Menschen (auch geschichtlich) nicht viele Erfahrungen mit anderen ethnischen, sozialen und kulturellen Gruppen und Menschen haben. Ich persönlich denke, dass die meisten Reaktionen der Menschen dort erst mal von Neugier motiviert sind. Das fängt an, dass sie die Haut oder die Haare anfassen möchten, vielleicht nicht glauben können, dass man ihren Sprache spricht und sie sich über so allmögliches wundern, was der „Fremde“ so macht und tut. Das klingt ziemlich primitv, ist es aber nicht. Schließlich ist jeder bei neuen Dingen und Erfahrungen erstmal in einer gewissen Art dasziniert. Oder einfacher gesagt: Selbst wenn ich schon tausend mal gehört, gelesen oder vielleicht sogar im Fernsehen gesehen habe, dass Sonnenuntergänge schön sind, so bin ich doch trotzdem beeindruckt, fasziniert und vielleicht sogar überrascht, wie schön so ein Sonnenuntergang ist, wenn ich ihn das erste mal mit eigenen Augen sehe. Wir Leute aus Europa vergessen mit den Jahren einfach nur, wie es ist, etwas Neues zu sehen, zu leben oder zu entdecken, weil wir bereits als Kinder mit so vielen Möglichkeiten überschüttet werden, Wissen zu sammeln, Menschen verschiedenster Hintergründe zu begegnen, verschiedene Sprachen zu hören. Aber wenn ich nachdenke, erinner ich mich noch ziemlich gut, wie fasziniert ich mit 12 Jahren zunächst von den Augen meiner Freundin Anja war, deren Mutter von den Philipinen ist, und das obwohl ich natürlich schon tausende Asiaten im Fernsehen oder irgendwo auf der Straße gesehen habe. Aber direkt vor einem Menschen zu stehen und bewusst und unterbewusst langsam zu analysieren und zu begreifen, dass er etwas mehr anders ist als sonst so die Menschen um einen herum löst doch wahrscheinlich noch einmal was anderes in einem aus.

Ich könnte jetzt noch Stunden weiter schreiben und noch irgendwelche Vergleiche zu afrikanischen Ländern und allmöglichen ethnischen Gruppen ziehen, aber ich denke, was ich sagen wollte, ist jetzt auch so klar geworden.

Und um nun das ganze auf Japan zu beziehen, worauf ich ja eigentlich hinaus will (haha ^^;): Ich halte es nicht für Diskriminierung, wenn Menschen meine Fähigkeiten, Japanisch zu sprechen oder  mit Stäbchen zu essen, loben.  Auch das Angestarrt werden oder dass sich jemand vielleicht im Zug nicht neben mich setzt, obwohl da Platz ist, passiert für mich nicht aus rassistischen Motiven. Zugegeben, solche Dinge nerven oft, und wenn ich jedes Mal einen Cent dafür bekommen würde, dass man mir sagt, dass ich riesig bin, dass ich wahrscheinlich Bier mag oder dass mein Japanisch toll ist, wäre ich bereits reich, stinkreich. Aber all die Leute, die das als fiese Diskriminierung anprangern, suchem meiner Meinung nach nur nach einem Grund sich aufzuregen und denken nicht viel über ihre Mitmenschen, über ihre eigenen Handlungen und die gesamte Situation nach.

Nach reiflicher Überlegung gestern, habe ich festgestellt, dass auch wenn ich selbst schonmal gedacht habe, dass die oben genannten Dinge diskriminierend sind, dass ich aber eigentlich in insgesamt fast zwei Jahren, die in diesem Land verbracht habe, nur nie wirklich diskriminierend oder rassistisch behandelt worde bin. (Und ich denke, dass sehr viele Menschen mit Migrationshintergund in Deutschland das nicht von sich behaupten können.) In 90% der Fälle (die restlichen 10% ignorieren die Tatsache, dass man einen Ausländer vor sich hat oder ist vielleicht wirklich an den Umgang mit Ausländern gewöhnt) freuen sich die Menschen, mit mir reden zu können, sind Neugierig, was mich (vielleicht nicht unbedingt meine Person) angeht, und ich selber bekomme dadurch eine große Möglichkeit jemanden einfach durch meine Existenz glücklich zu machen (man hat nicht einfach nur gesagt bekommen, dass man hübsch aussieht, nein man hat von einer großen Weißen, die man selber für hübsch hält, gesagt bekommen, dass man bezaubernd aussieht, etc ^^).

Nun, das alles sprudeln aber gerade aus mir aus und die ganzen Überlegungen bewegen mich gerade sehr, da ich gestern wirklich zum allerersten mal hier in Japan diskriminiert wurde. Und dass ich so geschockt darüber bin, beweist nur zusätzlich, dass ich mich eigentlich nie mit Diskriminierung im eigentlichen Sinne auseinandersetzen musste.

Gestern auf der Arbeit gab es einen Tisch mit drei Frauen mittleren Alters, die mich komplett ignoriert haben, wenn ich Sachen an ihren Tisch gebracht habe oder sie nach den Getränken gefragt habe und als ich auf ihr Rufen hin bin, um die Bestellung aufzunehmen, hat die eine mich weggewedelt und meine Kollegin hergerufen, die aber eigentlich die Hände voll hatte. Zum Abschluss hat die andere mir mit bescheuerten Handzeichen und einer Artikulation der Wörter, als ob ich taub oder behindert wäre, verständlich gemacht, dass sie die Rechung will. Das Ganze hat mich wirklich geschockt und mein Vorgesetzter und meine Kollegin waren sehr süß und haben für mich über die Frauen leise geflucht, was ich eigentlich auch gerne getan hätte oder ihnen irgendwas ziemlich böse Klingendes auf Deutsch gesagt hääte. Oder auch alternativ etwas ziemlich klug klingendes auf perfekten Japanisch. Stattdessen hab ich mich in den paar Sekunden, in denen ich Zeit hatte, über die ganze Situation nachzudenken, dazu entschlossen, noch höflicher und mit dem schönsten Lächeln das ich habe, die drei weiter zu bewirten. Das war ziemlich hart und gerade bin ich gefühlstechnisch noch nicht so weit, darauf stolz zu sein, diese wahrscheinlich relativ erwachsende Entscheidung getroffen zu haben, da ich wirklich lieber der einen meine Meinung gesagt hätte, als sie mich wie Abschaum weggewedelt hat. Und ich glaube auch nicht, dass ich bei denen irgendewas im Kopf bewegt habe oder dass sie überhaupt bemerkt haben, dass ich extra-freundlich zu ihnen war oder dass ihr Verhalten einfach nur das Letzte war. Aber da kann man nichts machen. Überall auf der Welt, unabhängig von Kultur, Staatsangehörigkeit oder ethnischer Herkunft, gibt es dumme und bescheuerte Menschen und auch das sollte man mit einbeziehen, bevor man sagt, dass irgendein Land voll von Diskriminierung ist.

So und jetzt mach ich mir Frühstück und sinne noch ein bisschen über diese noch nie gemachte Erfahrung, aus der ich lernen werde ^^

In diesem Sinne,

laura

 

Kurze Selbstreflexion 22. Juni 2012

Filed under: Kurioses,Uncategorized — loerchen @ 2:08 am

Du merkst, dass du zu lange hier bist, wenn…

  • Du es für ein ernstahftes Problem hälst, wenn der Rausche-Knopf auf der Toilette, der ca 20 Sekunden einen Sturzbach von sich gibt, um die eigenen Geräusche beim Verrichten von Geschäften zu übertönen, kaputt ist und du nun nicht weißt, wie du selbst nur dein kleines Geschäft verrichten sollst. Dich könnte ja jemand hören!!
  • Dir gesagt wird (nachdem gestern endlich auf der Arbeit auf Sommerkleidung umgestellt wurde), dass dir der Kimono besser steht und du seltsam aussiehst in Hose und T-Shirt!
  • Du im Aufzug Selbstgespräche auf Japanisch führst und erst am Ende merkst und dich fragst, warum du das machst.
  • Du im Zug im Stehen einschläfst und 2min vor deiner Zielhaltestelle aufwachst. Optional auch zwischen Unterrichtstunden, im Unterricht oder wo sich sonst die Möglichkeit für Minutenschlaf bietet. Verursacht dadurch, dass du dich an die allgemeine Durchschnittsschlafzeit von ca 6std angepasst hast.
  • Du beginnst Natto zu mögen (http://de.wikipedia.org/wiki/Natt%C5%8D).
  • Du anfängst selbst die blödesten Witze in D0ramas lustig zu finden(http://de.wikipedia.org/wiki/Dorama), du es nicht seltsam findest, dass im Schnitt 14jährige in einer Boygroup namens Sexy Zone zusammen singen und du Rola tatsächlich süß findest (siehe unten)
  • du weder bei Erdbeben noch bei riesigen Killerbienen (Größe ab 4cm aufwärts und wenn man von denen gestochen wird, stirbt man sehr wahrscheinlich:…ah, habs grad auf wiki nachgelesen. Die Dinger sind japanische Riesen-Hornissen auf deutsch: http://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Riesenhornisse), die in deinem Zimmer umherfliegen, in Panik gerätst…
  • du beginnst, 4Euro für nen Kaffee und 3Euro für einen Apfel günstig zu finden
  • du genau so wie die Japaner nach zwei Bier schon betrunken bist

 

 

Achja, so manchmal muss man sich mal vor Augen führen, woran man sich so gewöhnt, was man vorher für undenkbar gehalten hätte.

Nächste Woche habe ich große Japanischprüfung und muss deshalb viel lernen. Zudem muss ich Ende des Semesters einen Vortrag über japanische Atomkraft halten und da ich das eh (zwar alles auf Japanisch) einmal recherchieren und runterschreiben muss, überleg ich gerade, ob ich dann nicht dazu hier auch noch was schreibe. Mal schaun.

Mein Gott, wie schnell momentan die Zeit vergeht… Ich hoff, ich schaff es, mich bald wieder zu melden.

Liebeste Grüße!

 

im Ausland leben 25. Mai 2012

Filed under: Land und Leute,Uni und Alltag — loerchen @ 1:42 am

Achja, ich weiß auch nicht, warum ich diese Woche so schreibfreudig bin. Irgendwie geht mir viel im Kopf rum und es ist ja auch nichts Schlechtes nach langer Zeit nochmal längere deutsche Texte zu schreiben.

Gestern war ein recht -wie soll ich sagen- nerviger Tag… Es wird von Tag zu Tag wärmer und teilweise auch drückender, was bedeutet, dass man sich in den vollen Zügen schon recht zusammenreißen muss. Dann haben wir in der Uni geschlagen zwei Stunden über das Ie-System geredet. Für alle, die nicht wissen, was das ist, bitteschön: http://en.wikipedia.org/wiki/Ie_%28Japanese_family_system%29

Ich für meinen Teil bin mit dem System der Familie schon so oft während meines Studiums genervt worden, dass es mir egal ist, auf welcher Sprache man darüber spricht- ich möchte es einfach nicht mehr hören! Da aber meine Kommilitonen nicht alle einen japanologischen Hintergrund haben, mussten wir das ganze gestern nochmal dermaßen auseinandernehmen, dass mich die Langeweile während Hitze und Schwüle fast umgebracht hat. Daraufhin bin ich dann nach der Uni direkt nach Ikebukuro gefahren, um in einen der größen Buchläden Japans zu gehen: Junkudo. Ich habe auch recht erfolgreich ein Buch ergattern können und bin dann anschließend nach hause gelaufen, was ein Fußmarsch von ungefähr 15min ist.

Nun, auf diesem Fußmarsch ist mir so einiges durch den Kopf gegangen. Und zwar: was macht das Leben im Ausland so anders und warum kann man sich an fast alles gewöhnen, wenn man erstmal eine Zeit da ist.

Eine der größten Herausforderungen, wenn man ins Ausland geht, ist das Abschiednehmen. Natürlich ist es schwer, sich von Familie und Freunden auf bestimmte Zeit zu trennen und jenachdem wie die Umstände sind, weiß man auch nicht, wann man sie wieder sieht. Aber davon abgesehen vergisst man viel zu oft, von seiner Umgebung, den Gerüchen und Geräuschen in dieser, seinen Angewohnheiten und Tagesabläufen Abschied zu nehmen, was dann spätestens nach einem Monat, in dem man im Ausland ist, und die erste Orientierung, Faszination und Eingewöhnungsphase abgeklungen ist, schon hart aufstoßen kann. Manchmal ist es einem garnicht so bewusst, wie sehr Dinge das eigene Gemüt beeinflussen. Natürlich habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Rike auf der Couch im Cafe Blau sitzen und Milchkaffee trinken möchte, weil das Gefühl, eine Person und die gemeinsamen Bräuche mit dieser zu vermissen, einfach viel leichter zu fassen ist. Aber erst wenn ich richtig darüber nachdenke, was mir fehlt, komme ich darauf, dass ich es beruhigend finde, am Sonntag die Kirchenglocken in der Nähe läuten zu hören und mir die ganze Atmosphäre von deutschen Sonntagen, in denen die Geschäfte zu sind, Leute im Sommer in Biergärten sitzen und man höchstens mal ein paar schreiende Kinder in der Nachbarschaft hört, mir ein Gefühl von Ruhe gibt, so dass ich nach einer anstrengenden Woche abschalten kann. Solche Dinge, wie die Geräusche oder Düfte in der eigenen Umgebung, beeinflussen mehr als man denkt und meistens bemerkt man meiner Erfahrung nach eher die Andersheit um einen herum, als dass man sich wirklich bewusst wird, dass einem der Duft von frisch gemähten Gras vom Hofgarten oder einfach der Klang seiner Muttersprache um einen herum fehlt. Besonders letzteres fählt mir immer erst auf, wenn ich nach langer Zeit nach Würselen, wo ich aufgewachsen bin, zurückfahre und die ganzen Omis um mich herum Aachener Platt sprechen 😀 Das soll heißen, dass bei dieser Art von erinnern Zeit und Entfernung eine entscheidene Rolle spielen und man sich selbst darauf stoßen muss, um zu verstehen, warum man sich in der momentanen Situation irgendwie unwohl fühlt.

Jetzt ist es aber in meinem Fall so, dass ich bereits 8Monate wieder in Tokyo lebe, mir die Dinge nicht mehr fremd sind und ich hier wieder eigene Gewohnheiten und Bräuche entwickelt habe, sowie die kleinen Dinge um mich herum zu schätzen gelernt habe, bzw ich es seltsam finden würde, wenn die nicht mehr da wären. Das Rausrollen von meinem Futon gehört genauso dazu, wie der Duft von Zitronen und viel Gemüse, das meine Mitbewohnerin morgens immer in den Mixer wirft, so dass ich fünf Minuten später in einer gesund und frisch riechenden Küche meinen Kaffee aufgieße 🙂 Ich finde es nicht mehr undangenehm oder lärmend, wenn jede Bahnstation und jeder Zug mehrfach mit dir spricht, die Bahnübergänge von einem lauten „gang gang gan“ begleitet werden, jedes größere Auto laut auf Japanisch ankündigt, dass es um die Ecke biegt und die Menschen (insbesondere die Männer) immer lauthals die Nase hochziehen. Ich mag den Duft, der aus dem Reiskocher kommt, kurz bevor der Reis fertig ist, oder die ganzen Gerüche der Speisen, die meine Mitbewohner aus verschiedenen Ländern zubereiten. Ich weiß, welchen Yoghurt ich wo kaufe, welche Wege ich gehe, mag die Dinge, die ich auf den Wegen sehe, freue mich auf einen Kaffee in meinem Lieblingskaffee am Sonntag, wenn es regnet, weil dann der Baum, der durch das Cafe geht, so schön knarrt. Und vor allem mag ich es unheimlich Japanisch zu hören und zu sprechen und ich mag die Gesten wie Verbeugungen, die man bei Unterhaltungen macht.

Diese Dinge sind mir alle aufgefallen, weil sie fremd waren, weil ich mir neue Gewohnheiten aneignen musste und jetzt, wo es nur noch etwas mehr als zwei Monate sind, in denen ich hier bin, denke ich darüber nach, sie zu verlieren, von den liebgewonnenen oder einfach gewohnten Dingen Abschied zu nehmen. Und da ich diese Erfahrung schon einmal gemacht habe, weiß ich, wie viel härter es noch wird, wenn ich dann tatsächlich wieder in Deutschland bin.

Ist das nicht seltsam? Die Erinnerung an alles, was über Jahre zum eigenen Leben dazu gehört hat, verblasst nach kurzer Zeit. Es bleibt ein Gefühl, dass irgendwie etwas fehlt, aber irgendwie wird selbst dieses Gefühl oft durch den neuen Alltag verdrängt. Und, viele Menschen machen den Fehler nach einem Auslandsaufenthalt, nicht wieder Platz zu schaffen, für die Dinge und Bräuche, die man mag in seiner Heimat. Die Trauer die man beim Abschied von der Heimat irgendwie nicht hatte, wird ersetzt von einer viel größeren Trauer, die man empfindet nachdem man nur eine kurze Zeit irgendwo verbringen konnte. Natürlich weiß ich, dass das auch daher kommt, dass man denkt, nie wieder an den Ort un in die Situation zurück zu können, während man sich in Bezug auf seine Heimat sicher fühlt. ABER, auch die Heimat verändert sich, weil man sich selbst verändert. Ich selbst bringe neue Gefühle, Ansichten und Bräuche mit und in mir kann ich vieles vereinen, selbst wenn ich nicht mehr die lärmenden Bahnen sondern lauthals Asi-Deutsch sprechende Jugendliche auf einer täglichen Basis um mich habe.

Und nun zu dem, worauf ich stolz bin. Vor drei Jahren habe ich die letzten Monate oft trauernd verbracht, weil ich nicht aus Japan weg wollte. Doch als ich dann durch Bonn gegangen bin und den Sternenhimmel gesehen habe, der nicht von Hochhäusern halb verdeckt wurde, meine Schuhe mit Staub vom Feld zwischen Würselen und Broich-Weiden bdeckt war, ich die Treppe im Haus meiner Oma hochgegangen bin, wo es diesen ganz speziellen Geruch gibt, und das alles mit den Haaren zu nem Dutt gedreht, wie es die Japanerinnen machen, mit japanischer Musik auf meinen Ohren und lauter Fotos in meinem zu hause von diesem großartigen Jahr, da war es doch gut wieder zu hause zu sein, auch wenn ich mich damals gegen dieses Gefühl mit Tränen, Geschrei und schlechter Laune gewehrt habe. Und diesmal lass ich es direkt zu, mich wieder wohl zu hause zu fühlen. Momentan denk ich zwar noch nicht viel an zu hause. Ich versuche vor allem die etwas beängstigenden Sachen wie Uni-Abschluss, Hausarbeiten, etc noch etwas beiseite zu schieben. Im Gegenzug dazu lausche ich den Gesprächen bzw den japanischen Wörtern der Menschen um mich herum und genieße meinen Alltag hier. Aber wenn ich dann wieder da bin, esse ich wieder aus leibeslust Schwarzbrot anstatt Reis zum Frühstück, fahre Bus mit meinem fantastischen günstigen Uni-Ticket und treffe mich mit meinen Freunden, die meine tolle Muttersprache sprechen, denn so schön es ist eine andere Sprache einigermaßen zu beherrschen, es gibt nichts darüber, eine Muttersprache zu haben, dessen Worte für einen hundertprozentig mit dem Gefühl verbunden sind, das man ausdrücken möchte.

Ja, Deutschland wird auch wieder schön. Und die letzten zwei Monate hier auch.

In diesem Sinne bis zum nächsten Eintrag wieder über Reisen *lol*

 

Reisen die zweite 23. Mai 2012

Filed under: Uncategorized — loerchen @ 3:23 am

25 Grad, strahlende Sonne und die Luft ist dank meiner fleißigen Heimgärtner-Nachbarn erfüllt von Rosenduft. Und was mach ich? Ich sitze hier, drücke mich vorm lernen, indem ich Blog schreibe, kalten Caffe Latte trinke und Rare-Cheese-Schuhcreme esse. Ja, Schuhcreme. Für mich ist das die beste Umschreibeform in unser Schriftsystem, obwohl es im japanischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für eine Windbeutel-ähnliche Süßspeise ist. Und mit Rare-cheese hab ichs gerade zum ersten mal probiert und ich muss sagen, dass es bisher das leckerste war. Ach, das alles würde so viel besser zu einem Eintrag passen, den ich gerne schreiben würde… aber erstmal werden hier die Reisen wie versprochen abgearbeitet!

Nun (oder wie der Japaner sagen würde: sate sate), zum Reisen. Ich denke, es ist an der Zeit mal ein bisschen Informationen und gehaltvolle Inhalte auf meinen Blog zu bringen. Deshalb berichte ich nun über meine Reiseerlebnisse und Erfahrungen, sowie ein paar Tipps. Ich muss allerdings vorausschicken, dass meine Ausgangssituation offensichtlich anders ist, als Leute, die nur für Urlaub hier nach Japan kommen und wahrscheinlich auch kein Japanisch sprechen. Meine Ansprüche an Zeiten, Sehenswürdigkeiten und Finanzen sind deshalb etwas anders, aber ich werde trotzdem versuchen, dass die, die es interessiert, möglichst viel hier raus ziehen können.

Es gibt genau 5 Möglichkeiten in Japan rumzureisen (die, die nicht mit platten Informationen gelangweil werden möchten, bitte nach der Aufzählung weiter lesen).

  1. Shinkansen: wohl die angenehmste, aber mit auch kostspieligste. Ein Shinkansen ist ein Hochgeschwindigkeitszug, etwa wie der ICE, der es ermöglichkeit auf dem sehr gut ausgebauten japanischen Schienennetz in kurzer Zeit weite Strecken zurückzulegen.  Ein Beispiel: Tokyo-Kyoto. ca 2 1/2 std. ca8000yen (80Euro, eine Fahrt) Nachzuschauen auf http://www.jreast.co.jp/e/index.html
  2. normale Züge: Es gibt auf der gerade verlinkten Seite auch das Angebot des sogenannten seishun18-Tickets. Mit diesem kann man 5 Tage lang mit allen Zügen außer den Hochgeschwindigkeitszügen (Shinkansen) quer durch Japan fahren, was natürlich zeitauwendiger ist, aber nach Angaben von Freunden, sieht man viel mehr von der Umgebung, fährt durch schnuckelige Dörfer und hat mehr das Gefühl von Road-Trip. Nachteil: Man kann es nur im März und April benutzen, weil es ursprünglich so eine Art Ferienticket ist. Kostenpunkt: ca 11000Yen (110Euro). Man kann es auch nur in einer bestimmten Periode kaufen, deshalb lieber alle Infos auf der Seite gut nachlesen. Innerhalb Tokyo und um Tokyo herum gibt es auch viele Tagestickets, die sehr zu empfehlen sind. Zum Beispiel das Tokyo-Metro-Ticket für einen Tag: http://www.tokyometro.jp/en/ticket/value/travel/index.html (ca 6Euro), Tokyo-Nikko: http://www.tobu.co.jp/foreign/pass/all_pass.html, Tokyo-Hakone (2-3 Tage verwendbar): http://www.odakyu.jp/english/freepass/hakone_01.html
  3. Highway-und Nachtbusse (meine Art zu reisen). Die günstigste Variante von allen. Streng genommen sind Nachtbusse auch Highway-Busse, nur dass sie nur nachts fahren, weil sie längere Strecken zurücklegen müssen. Bei nahen Orten kann man den ganzen Tag mit einem fahren. Kosten und Zeiten für die Strecken, die ich zurückgelegt habe: Tokyo-Kyoto. 7std, Hin und Zurück 7000Yen (70Euro), Tokyo-Hiroshima. 14std eine Strecke 6000Yen. Okayama-Tokyo. ca 8std 4000yen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: es ist mega-günstig. Im Prinzip sind die meisten Busse auch recht bequem und wenn man nicht so groß und „alt“ ist wie ich, lässt es sich auch relativ gut darin schlafen, da die Japaner um einen herum sehr leise und nicht störend sind. Trotzdem gibt es bestimmt bequemere Arten zu reisen und ich würde auf jeden Fall auf eine andere ausweichen, wenn ich das Geld hätte 😉 Die Firma, die ich empfehlen kann: http://jamjamliner.jp/index.html (Seite leider nur auf Japanisch)
  4. Flugzeug: Nationale Flüge sind relativ teuer und es gibt nur wenige Angebote. Trotzdem gibt es immer mal wieder günstige Flüge oder Komplett-Angebote. Und wenn man zum Beispiel von Tokyo nach Okinawa oder Hokkaido möchte und nur begrenzt Zeit hat, sollte man auf jeden Fall gucken, was es an Flügen gibt, da Züge, etc sich wohl nicht groß im Preis unterscheiden werden, bzw es schwierig wird mit dem Zug auf Okinawa (ziemlich südliche Insel) zu kommen ^^
  5. Auto. Mir hat das rumfahren mit dem Auto am besten gefallen muss ich sagen. Das liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht fahren musste ^^; In Japan ist Linksverkehr, Highways sind kostenpflichtig und wenn man kein Piepe-Ding in seinem Auto hat, mit dem man einfach durch die Schranken am Highway-Eingang fahren kann und die Gebühr automatisch abgebucht wird, muss man halt immer stehen bleiben und am Häuschen bezahlen. Außerdem ist Parken ein großes Problem, da man in Tokyo nur schwer Parkplätze findet und die dazu noch schweineteuer (je nach Ort mindestens 4 Euro für eine halbe std) und auch auf dem Land das Parken meistens kostenpflichtig ist. Aber! Wo sieht man schon Türme, deren Innenleben ein Autoaufzug ist, das heißt, die Autos werden durch ein Aufzugsystem gestapelt, um mehr Platz zu haben. Und wenn man durch die Dörfer und Städte und in Tokyo über die großen Highwaystraßen auf der Höhe des 7. Stocks eines Hauses fährt, sieht man einfach so viel mehr und man ist so viel ungebundener.

 

Sooo, also wenn das nicht mal informativ war. Und jetzt bin ich wieder egoistisch und schreib das, was ich interessant finde ;p

Also, ich bin gereist. Und zwar nachdem ich mit meinem Bruder an vielen Orten in Tokyo und in Nikko war, war ich mit Jessica und Sarah in Hakone: Dort sind wir viel rumgefahren, da es so Transportmöglichkeiten wie ein Piratenschiff, eine Seilbahn und so ner süßen Bimmelbahn gibt. Übernachtet haben wir in einem kleinen Ryokan, wo die Mitarbeiter auch Englisch sprachen und man abends in die heißen Quellen konnte, wofür Hakone und Umgebung neben dem Fuji berühmt ist. Wir hatten auch wirklich Glück, denn trotz dem vielen Schnee am Tag zuvor haben wir einen prächtigen Fuji gesehen, der irgendwie an einen Puderzucker-Berg erinnerte und ich für meinen Teil konnte ihn noch nie so schön sehen. Nachteil: Es war so bitterkalt und nass! Mein Gott haben wir drei Mädels gefroren in den zwei Tagen, aber wir hatten trotzdem Spaß.

 

 

 

Da ich schon über Kamakura geschrieben hatte, weil ich auch schon mit meinem Bruder da war, lass ich hier mal weitere Beschreibungen aus und kommezu den weiteren Zielen.

Mit Jessica war ich für zwei Tage in Kyoto, was uns beiden nach der Zeit in und um Tokyo richtig gut gefallen hat. Kyoto bietet alles, was man sich vorstellt unter Japan: Tempel, Schreine, kleine süße Sträßchen und natürlich Geishas! Wir waren so verzaubert von der Atmosphäre, der Übersichtlichkeit der Stadt und den geschwätzigen Menschen. Ah und außerdem von den vielen tollen Läden mit so viel süßem Krimskrams…Ohja, wir haben da Geld gelassen. Aber ich kann trotzdem nur jedem empfehlen sich für Gion (ein Stadtviertel) und die Sträßchen rund um den Kiyomizu-dera (meine nr.1 Empfehlung für Tempel) viel Zeit zu nehmen und zu stöbern. Nicht nur dass es so viele tolle Sachen gibt, dort haben wir auch die ersten Geishas in unseren Leben gesehen, die sich mit ihren Holzschühchen anhören wie kleine Pferdchen. Wir waren am Fushimiinari Schrein, der etwas außerhalb liegt, aber den Leuten, die „die Geisha“ gesehen haben, bekannt sein sollte wegen der vielen Toori (diesen roten Holztore vor Schreinen). Es sind wirklich unzählbar viele und wir haben es nicht mehr geschafft, durch alle durchzugehen, weil es dunkel wurde und es verdammt noch mal steil Berg auf geht! Im Sommer wären wir wahrscheinlich gestorben an Hitze und Mückenstichen, weil es am Rande eines Waldes ist. Aber die Atmosphäre, Leute, die Atmosphäre. Es war wirklich schön und besinnliche und hach, ich dachte mich kann in Japan nicht mehr viel beeindrucken, was sowas angeht, aber es war wirklich schön. Wir waren auch noch an ein paar anderen Schreinen und Tempeln und habe die erste Pflaumenblüte im Jahr gesehen, bevor wir abends wieder mit dem Nachtbus gen Tokyo sind.

 

 

 

 

 

Ok, da das hier schon wieder ins Unendliche ausartet, werde ich wohl noch einen dritten Eintrag zum Reisen schreiben 😀 Achja…wann lerne ich endlich, mich kurz zu fassen. Gut. Also, ihr dürft gespannt sein. Als nächstes kommt dann Hiroshima und Okayama.

Bis dahin!

 

無沙汰をお詫び申し上げます–tut mir leid, dass ich lange nichts von mir hab hören lassen 21. Mai 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 2:43 am

Ihr Lieben,

Viel ist passiert. Aber vieles, das nicht auf einen Blog gehört. Neben Uni war es in meinem Privatleben nach den Ferien zu einem ziemlichen Durcheinander gekommen. Aber da es jetzt langsam wieder Bergauf geht, melde ich mich nun munter wie immer zurück (mein Arbeitskollege meinte, dass ich ja immer „genki“ (=munter, lebhaft, voller Energie) wäre, was mal wieder bestätigt, welch tolle schauspielerische Fähigkeiten ich habe ^^).

Nun, in letzter Zeit habe ich etwas mit Schlaflosigkeit zu kämpfen. Ich weiß selber nicht genau warum, aber ich schlafe im Schnitt nur noch so vier bis fünf Stunden, selbst wenn ich müde bin. Heute war das sogar von Vorteil, da ich unerwartet das zweite mal in meinem Leben die Chance hatte, eine Sonnenfinsternis mitzuerleben. Ich bin schon ein Glückskind, wo doch viele Menschen nicht mal einmal eine zu sehen bekommen. Wenn wir streng sind, habe ich aber auch nicht wirklich beide mitbekommen. 😀 Damals in Deutschland, als ich, glaub ich, in der sechsten Klasse war, war es so bewölkt, dass man nichts sehen konnte. Und heute um 7:30Uhr japanischer Zeit war es zwar nicht wirklich bewölkt, aber da alle dieser Sonnenfinsternis-Brillen ausverkauft waren, konnte ich nicht wirklich viel sehen. Und natürlich war auch mein Fotoapperat nicht aufgeladen, weshalb ich durch die Kamera meines Handys gucken musste und nicht wirklich viel erkennen konnte *lol*. Es war aber trotzdem eine gute Stimmung und so viele Menschen hatten sich auf dem Hügel in der Nähe meines Hauses versammelt, was irgendwie schön war.

Das linke Bild ist von einer Freundin geklaut und das rechte mit meiner bescheidenen Handykamera aufgenommen, bevor es richtig los ging.

Nun, was macht man sonst so, wenn man nicht schlafen kann. Man denkt nach. Über kleine und große Dinge. Und an einem Teil meiner Überlegungen möchte ich hier teilhaben lassen.

 

 

 

Was ich über mich hier in Tokyo erfahren habe:

  • Ich mag Erdbeeren mit Yoghurt und hab nichts dagegen, es jeden Tag als volle Mahlzeit zu mir zu nehmen (in Japan ist irgendwie immer Erdbeersaison, so dass ich schon seit vor Weihnachten mir einmal wöchentlich den Luxus von 3-Euro Erdbeeren mit 1,50Euro Yoghurt gönne. Ist zusammengerechnet fast genau so viel wie eine normale Mahlzeit kosten würde und ich glaube, dass ich dank der regelmäßigen Zufuhr von Vitaminen nicht so oft krank geworden bin, wie die anderen, die hier sind)
  • Spazieren ist meine Lieblingsbeschäftigung. Immer wenn man mich in der Vergangenheit gefragt hat, was meine Hobbies sind, hab ich immer das übliche gesagt, wie lesen oder Filme. Aber ich glaube, nichts entspannt und bereichert mich so sehr, wie stundenlang durch die Gegend zu laufen. Auf meinen Spaziergängen wird mein Kopf frei, ich sehe viele neue Dinge und Menschen, habe schon tolle Gespräche mit fremden auf Spaziergängen gehabt und selbst ich, die sich immer verläuft, bekommt ein Gefühl für die Entfernungen in dieser riesen Stadt und ich kenne sogar mehr verborgene tolle Winkel als so mancher Japaner. Und in einem Land, in dem abends der letzte Zug um ca12Uhr fährt, ist es auch sehr nützlich zu wissen, wie man von A nach B kommt und wie lang es dauert. (Tamachi-Harajuku: mit der Bahn: 15min, zu Fuß: ca eine Stunde. Shibuya-Yotsuya: ebenso, etc) Ich glaube, durch meine Spaziergänge bin ich auch in der Lage, den Leuten, die mich besuchen, so viel zeigen zu können und nicht, weil ich hardcore Sightseeing gemacht hab.

wenn man in Japan ist, denkt man selbst als Frau darüber nach, sein Gesicht zu rasieren. Jeder Mensch hat Gesichtsbehaarung. In meinem Fall ist es blonder Flaum, der im Höchstfall mal in der Sonne glitzert. In japanischen Bahnen wird man nun aber nur so mit Werbung zugeballert und da es nun im Durchschnitt immer so um die 22Grad ist und der heiße Sommer vor der Tür steht, wird für Achselenthaarung, etc geworben. Und gestern fällt mir doch der Spruch ins Auge: ホッペ毛は無駄毛(die Haare auf deiner Wange sind unnötige Haare). Und da die geballte Weiblichkeit um mich herum, hier immer so schön zurechtgemacht, unschwitzend, selbst bei Wind und Feuchtigkeit perfekt frisiert und und und ist, grübel selbst ich von Zeit zu Zeit mal darüber nach, ob ich mehr aus mir machen könnte :D hier ist die TV-Werbung zu den Zugwerbungen: http://www.youtube.com/watch?v=p7Eoh-S9E-I

Was ich über andere in Tokyo erfahren habe:

  • Frauen mit Stöckelschuhen hören sich an wie kleine Pferdchen, wenn sie zu zweit gehen. Dank der Einfachverglasung von japanischen Fenstern (in Hokkaido haben sie angeblich wegen der starken Kälte normale Mehrfachverglasung) habe ich oft das Gefühl, auf der Straße zu sitzen, obwohl ich in meinem Bett liege.  Und wenn dann abends nach dem letzten Zug die letzten Mädels oder morgens früh die Business-Damen an unserem Haus vorbeistöckeln, habe ich schon oft im Halbschlaf gedacht, was die Pferde da draußen machen.
  • Katzen hören sich an wie Babies. Da ich ja selber lange Zeit Katzen-Frauchen war, war mir das zwar bis zu einem bestimmten Punkt bewusst. Aber seitdem die Temperaturen steigen und es Frühling geworden ist, habe ich das Gefühl, dass eine Armee Babies in meiner Nachbarschaft die Gegend unsicher macht. Es gibt sehr viele streunende Katzen in Japan und sind nicht immer gern gesehen. Witziger Weise glauben die Japaner, dass sie die Katzen von ihren Grundstücken fern halten können, wenn sie überall Wasserflaschen aufstellen. Ernsthaft. Man sieht oft ganze Gärten von fiesen Wasserflaschen eingezäunt, weil Katzen ja kein Wasser mögen deshalb dann nicht rein kommen XD
  • Nicht alles ist wie es zu sein scheint. Bestes Beispiel: Die Pöller in Tamachi und Mita, wo sich meine Uni befindet. Es ist immer wieder lustig, wenn einer der anderen Austauschstudenten diesen erleuchtenden Moment hat und sich aus irgendeinem Grund gegen einer der vielen Pöller versucht zu lehnen oder setzen und dabei fast umfällt. 😀 Die Dinger sehen aus wie Stein oder Metall, sind aber komplett aus Gummi, wo ich mich frage, ob sie dann noch wirklich ihre Aufgabe voll erfüllen können. Ich habe das ganze zwar schon bereits vor einem halbe Jahr herausgefunden, aber wenn zum Beispiel wie Lisa letzten Samstag jemand vollkommen fasziniert auf mich zukommt und mir über seine Entdeckung berichten möchte, kann ich trotzdem noch immer wieder mitlachen und den Kopf schütteln.

 

So viel dazu. Sorry für diesen random Eintrag mit minderwichtigen Informationen. 😀 Aber so Kleinigkeiten gehören ja schließlich zum Leben dazu, zumindest zu meinem. Und ich hoffe, dass ich beim nächsten mal, vielleicht wieder etwas von mehr Interesse schreiben kann. Maybe hole ich den Reisebericht nach ^^

Und zum Schluss noch ein paar random-Fotos. Bitteschön

 

 

 

 

 

Besuch 4. April 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 4:13 am

Wie die meisten wissen, ist dies mein zweiter lange Aufenthalt in Japan und diesmal haben sich trotz Fukushima drei liebe Menschen dazu entschlossen, mich besuchen zu kommen, wohingegen ich vor drei Jahren gar keinen Besuch hatte.  Angesichts der Katastrophe im letzten Jahr, dem Medienrummel darum und der (wir wollen es nicht totschweigen) immer noch ausgehenden Gefahr von dem Atomkraftwerk in Fukushima freue ich mich noch mehr, dass sich sowohl mein großer Bruder als auch zwei gute Freundinnen von mir entschlossen hatten, mich besuchen zu kommen.

Das bedeutete für mich, dass ich nach einer Woche Verschnaufpause von den ganzen Prüfungen ungefähr immer im zwei Wochentakt mit Leuten unterwegs war und viel gefahren und gereist bin.

Zuerst war mein Bruder da und ich muss ehrlich gestehen, dass ich vorher etwas aufgeregt war. Für meinen Bruder war es die erste große Reise und für mich das erste mal, dass ich jemanden herumführen musste (möchte). Japan und besonders Tokyo kann sehr anstrengend sein und macht vielleicht auch nicht immer den besten Eindruck (Menschenmassen, Grau, laut). Zudem kommt man hier leider mit Englisch nicht sehr weit (wenn wir ehrlich sind, in Deutschland wahrscheinlich auch nicht so oft) und ich wollte unbedingt, dass es meinem Besuch hier gefällt und ihm das Land zeigen, dass ich so in mein erz geschlossen hab.

Nach einigen Gepäckproblemen bei der Einreise begann deshalb das Abenteuer für mich, das erste mal mit meinem Bruder zu reisen. Wir sind zwar nur in Tokyo und Umgebung geblieben und eigentlich fast auch nur zu Orten gefahren, die ich kenne, aber es war trotzdem nicht einfach für mich, mir gute Ausflüge zu überlegen, sie zu planen und eigentlich immer für zwei, mit den beiden Mädels dann für drei, zu denken.

Aber nach allem, was ich bisher gehört habe, muss es meinem Bruder echt gefallen haben und das macht mich sehr glücklich. Wenn man aus so einem kleinen Dorf kommt wie ich, können viele meine Begeisterung für Japan nicht ganz nachvollziehen. Aber dass mein Bruder sich auf die Kultur eingelassen hat, in den oft als strenge Regeln oder Kälte der Japaner liebesnwerte Verhaltensweisen entdeckt und verstanden hat, und so lieb war, sich meine ewig-langen Erklärungen und Beschreibungen zu allem anzuhören, hat mich echt gefreut.

Nun, was haben wir gesehen. Hier ein paar Bilder:

Wir waren in Asakusa (http://de.wikipedia.org/wiki/Asakusa), einem der älteren Stadtteile Tokyos und somit auch ein großer Touristen-Anzugspunkt, da er mit einer schönen Krimskrams-Einkaufsstraße, sowie einigen Tempeln und Schreinen lockt. Zudem haben wir hier den Sky Tree, von dem ich zuvor schonmal berichtet hatte, sowie die goldene Sch**ße, ähm, ja das soll Bierschaum darstellen.

 

 

 

Wir waren auch in Yokohama (http://de.wikipedia.org/wiki/Yokohama) und haben uns da das Chinatown angeschaut.

 

 

 

 

 

 

 

China und Japan wird ja gerne verwechselt und auch wenn es natürliche viele Ähnlichkeiten auf Grund von Adaptionen vom Festland in Baustil, etc gibt, so sieht man doch klar die Unterschiede. Für mich ist chinesischer irgendwie farbenfroher, aber auch oft kitschiger bis hin zu billig… Natürlich war ich aber noch nie in China und muss deshalb gestehen, dass auch viele Vorurteile aus mir sprechen 😉

An einem schönen sonnigen Tag waren wir auch in einer meiner Lieblingsstädte: Kamakura. Kamakura liegt ca 1-2 atd (je nach Ausgangspunkt) von Tokyo entfernt und bietet alles: Meer, Berge, Tempel, Schreine, süße Einkaufsstraßen und eine unheimlich nette Atmosphäre. Ich bin dort sehr oft und gerne und neben den touristischen Attraktionen wie zum Beispiel dem Daibutsu (große Buddha-Statue) oder dem Hasedera (Hase-Tempel), wo hunderte, wenn nicht sogar tausende Jizô-Figuren (http://de.wikipedia.org/wiki/Jizo) aufgestellt sind, kann man dort schön am Strand oder Wald rumschlendern oder sich die süßen Läden in dem Städtchen anschaun.

In Tokyo selbst waren wir natürlich auf dem Gouverment Building, auf das man umsonst kommt und von dem aus wir einen einzigartigen Blick auf den Sonnenuntergang mit Fuji hatten. In einer meiner Lieblingskneipen in Shibuya waren wir auch. Dort ist alles auf Showa-Zeit (Anfang 20.Jahrhundert) gestylt, es läuft alte Musik und man kann bei Yakitori (gebratene Hühnchenspieße) und anderen japanischen Snacks gemütlich ein kühles Bier genießen. Die Bedienung dort ist lustig und nett und als kleine Randbemerkung: Dort begann meine Identität als Frau Yamashita. Da ich relativ oft Abende mit Freunden organisiere und es leid war, dass man bei der Reservierung meinen Namen nicht versteht, habe ich mir den Namen Yamashita gegeben. Den kann ich sogar angetrunken noch schreiben und er ist so bekannt wie Müller oder Schmitz in Deutschland ^^

Wir waren außerdem in einem alten japanischen Garten in Tokyo, von dem ich selber lange nichts wusste, und sind vom Hafen in Tokyo bis nach Asakusa mit dem Boot gefahren.

An einem der letzten Tage haben wir dann unseren größten Tagesausflug nach Nikko gemacht, dass ca 2-3std von Tokyo entfernt ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nikko) Nikko ist sehr alt und trumpft mit richtig alten Tempelanlagen, einer unheimlich schönen Natur und Weltkulturerbe.

 

 

 

 

Die drei Äffchen hier werden wohl auch schon die meisten von euch gesehen haben.

Außerdem haben wir in so einem tollen Laden zu Mittag gegessen. Die ganzen Wände und Decke waren mit Zetteln, Bildern und andersartigen Nachrichten von Menschen aus der ganzen Welt versehen und eine kleine Oma schmiss das ganze. Wir haben richtig lecker gegessen und uns dann auf die Heimreise gemacht.

 

Gut, soviel zunächst für diesen Informationsschwall. Demnächst dann mehr zum Rest meiner Ferien 🙂

 

Im Zoo 29. März 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 11:47 am

Hallo und direkt ein „Entschuldigung“ hinterher, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.

Schuld waren die Frühjahrsferien, die nach nun zwei Monaten zu Ende gehen. In diesen zwei Monaten habe ich viel gemacht, gesehen und erlebt, was ich alles in verschiedenen Einträgen festhalten möchte. Aber zuerst zu zwei wichtigen Verkündungen.

1.: Der Frühling ist da! Donnerwetter, wars hier lange kalte und zwischendurch hat es sogar nochmal geschneit. Aber nun wird auch in Tokyo für nächste Woche die Sakura (Kirschblüte)  erwartet, wovon ich dann in nächster Zeit berichten werde ^^

2.: Ein neues Semester (dass bei der Keio natürlich wieder wesentlich früher als bei allen anderen Unis anfängt) bedeutet auch (wiederum nur bei der Keio) wieder einen neuen Placement-Test für Japanisch! *yeeeaaah* Dieser fand Dienstag statt und ich war ruhiger, konzentrierter und besser gelaunt als beim letzten mal und bin mit dem Gefühl reingegangen, dass ich das jetzt in den dreieinhalb std rocken werde. Und tatatata, heute kamen die Ergebnisse und mein Selbstbewusstsein hat wieder Boden unter den Füßen: Ich bin in Level 10 von 12!! Das ist einfach nur der Hammer, weil auch der Kurs so cool ist (wir haben ein Lehrbuch, dass auf soziologischen Texten aufgebaut ist ^^) und die Lehrerin so toll ist *hach* ❤ Aber dazu schreibe ich demnächst mehr.

Nun also zum Titel dieses Eintrags: Zoo. Da das Leben hier doch recht kostspielig ist und ich bei meinem diesigen Japan-Aufenthalt endlich reisen wollte, habe ich mir einen Nebenjob gesucht, bzw ein guter Freund von mir, hat mich bei seiner Arbeitsstelle empfohlen. Diese Arbeitsstelle ist eine japanische Bar/Restaurant im japanischen Stil. Das bedeutet, es gibt viel japanischen Schnapps mit vielen (für mich) unlesbaren Namen, viel frisches und hochqualitatives Essen und das alles in einem typisch japanischen Ambiente: auf dem Boden gemütlich sitzen, eventuell am Tisch Nabe (japanischer Eintopf) oder Yakiniku (gebratenes Fleisch) selbst zu bereiten, brutzeln und köcheln lassen und es sich mit seinen Freunden gemütlich machen. Und dazu tragen alle Kellnerinnen und Köche traditionelle japanische Kleidung, im Fall der Frauen Yukata (eine leichtere und unaufwendigere Variante von Kimono, die oft im Sommer getragen wird.). Dieser besagte Laden, den ich euch jetzt mal verlinke (http://wahacojp.com/bonten/), damit ihr vll einen Eindruck gewinnen könnt, ist nun um eine Kellnerin und somit eine Attraktion reicher: mich! *haha*

Was soll ich sagen, die Arbeit war recht schwer am Anfang und ist es auch jetzt noch oft. Ich konnte, wie gesagt, vieles nicht lesen. Und selbst, wenn ich es lesen kann, weiß ich trotzdem nicht, was für einen Sake (Reiswein), Shouchu (eine Art japanischer Vodka), Fisch oder änhliches ich gerade serviere, weil es oft keine Wörter bzw nur seltsame Fachwörter für die Tiere, etc gibt. Für mich ist das dann immer Fisch oder Muschel. Bzw, es ist für mich Thunfisch, nur leider gibt es im japanischen klar getrennt verschiedene Arten Thunfisch… So in etwa sieht mein Problem mit der Menu-Karte aus. Der nächste Schwierigkeitsgrad ergibt sich durch den sehr guten japanischen Service. Während in Deutschland meist die Atmosphäre in Restaurants, etc recht locker ist und unfreundliche Kellner oft an der Tagesordnung stehen, gibt es keine Grenzen für den japanischen Service, der beim Öffnen der Tür für den Gast anfängt, sich klar über die höchste Höflichkeitsstufe im Japanischen äußert (oh ja, die hab ich so langsam drauf, Baby ^^), und darin übergeht, dass es konkrete Regeln zum Aschenbecher-austauschen gibt. Ich persönlich mag das alles sehr, besonders auch, weil das alles gemacht wird, ohne dass man Trinkgeld bekommt (ja, ich finde das gut. Man möchte, dass der Gast sich wohl fühlt und wieder kommt und viele Stammgäste bringen auch schonmal was zum Knabbern oder was Süßes für uns mit oder geben uns was zum Trinken aus (ich trinke fast jeden Abend mindestens ein Bier, indem ich mit einem Gast anstoße) und danken uns so. Und ich finde es schön, jemanden einen schönen Abend bereiten zu können und dieser jemand mir danach danke sagt ^^). Und das Schöne an dem Laden, in dem ich arbeite, ist, dass man sich nett mit den Gästen (meistens Stammkundschaft) unterhält und ihnen ein guter Gastgeber ist, wie meine Freundin das schön formulierte.

Nun die Schattenseiten des Ganzen. Ich muss sagen, dass ich den Job auch mache, um mehr über japanisches Arbeitsleben zu erfahren und da ist so ein eher traditioneller Laden wirklich das Beste. Die Rangordnung ist klar geregelt und ich bin die letzte in der Nahrungskette. Mein Senpai (japanisch für eigentlich höhere Schüler als man selber ist; wird aber wie hier auch benutzt für Leute mit mehr Erfahrung als du selber und auf die man da hört) ist recht streng und manchmal hab ich echt das Gefühl, dass sie nicht glücklich ist, wenn sie mich nicht zumindest einmal kurz anmeckern kann. Wenn man angemeckert wird, selbst wenn man nichts falsch gemacht hat, entschuldigt man sich und sagt, dass man es nicht mehr tut, bzw. das man seinen Fehler verstanden hat. Das klingt vielleicht sehr hart und ist es manchmal auch. So Situationen wie: Senpai A macht was, Senpai B denkt, ich wars und schimpft mit mir. Senpai A steht daneben und sagt nichts und ich entschuldige mich bei beiden XD Aber so ist das nunmal im japanischen Geschäftsleben und ich bin sehr gut darin in „insEineOhrReinUndAusDemAnderenWiederRaus“. Das Gute an der Sache ist auch, dass mich alle wie eine Japanerin behandeln. Es wird kein wirklicher Unterschied zwischen mir und dem Rest gemacht. Das bedeutet aber auch, dass wenn ich zum Beispiel etwas nicht richtig verstehe, schonmal einen auf den Deckel kriege…

So und bevor das jetzt ewig-lang wird, nun zur Pointe: Das Interessanteste an dem Job sind die Reaktionen der Gäste. Manchmal (oder vielleicht fast immer) komme ich mir wirklich vor wie im Zoo, nur dass ich im Gehege bin. Es wird gestart, gesagt, wie süß man ist, gefragt, ob man mal anfaßen darf (meine Hände, weil sie so weiß sind…) getestet, ob der Papagei auch reden kann, gefragt, aus welchem Land das Tier stammt, natürlich muss man auch das Alter und die Körpergröße wissen und schauen, wie weit das Tierchen evelutionär ist. Heiratsanträge habe ich auch schon einige bekommen und Fotos wurden auch schon zu genüge gemacht. Aber auch wenn das alles ein bisschen seltsam klingt, es macht Spaß. Und die meisten Leute sind sehr nett und ich unterhalte mich sehr gerne mit ihnen 🙂

Wie ich breits im letzten Beitrag gesagt habe: jede dieser Begegnungen ist wichtig. Und ich finde es auch wichtig, dass Japaner wissen, dass wir nicht nur Bier trinken und Würstchen essen und auch wir samstagsabends trinken gehen, lachen und feiern.

 

Die kleinen Dinge im Leben 17. Januar 2012

Filed under: Land und Leute — loerchen @ 2:51 pm

So, drei Prüfungen geschafft, noch 5 und ein Kanjitest to go. Die wollens hier echt wissen und wir erinnern uns an Laura in den ersten zwei Uni-Wochen im September: Laura denkt: Ach, 11 Kurse mit 12 Wochenstunden schaff ich doch mit links (haha, Naivchen). Ja, die Hausaufgaben kann ja nicht so viel werden (genau…). Und ist ja schließlich normal, dass man dann am Ende des Semesters Tests hat (du Riesen-Depp! Es ist auch normal, dass die dann alle auf einmal im zweiwöchigen Prüfungskorridor liegen!!! *argh).

Nun, ändern lässt sich daran nichts mehr. Ich habe mir nur geschworen, das sich im nächsten Semester weniger Kurse nehme und nur welche mit coolen Lehreren und Inhalten, die mir Spaß machen. Alles andere hab ich schon wieder früh genug, wenn ich dann wieder an der Uni Bonn bin. Und bis hier das Semester weider los geht, bzw hier das alte endlich geendet hat, fahre ich erstmal ganz viel rum mit meinem Bruder, Jessica und Sarah. Und es ist doch toll, wenn man sich auf etwas freuen kann.

Jetzt zu den kleinen Dingen. In Vorbreitung auf unseren Auslandsaufenthalt sind wir viel gefragt worden, wie wir Deutschland und die Uni Bonn presentieren können und würden. Erwartet wurden da Antworten wie „einen deutschen Abend organisieren“, „sich ordentlich benehmen an der Gast-Uni und bei eventuellen zukünfiten Austauschstudenten dort Interesse für die Uni Bonn erwecken“.

Ich für meinen Teil denke allerdings etwas anderes über die Sache. Und das möchte ich an drei kleinen Begegnugen der letzten Woche kurz beschreiben. Die erste Begegnung war letzte Woche Donnerstag mit einem der Hausmeister. Ich fahre zur Zeit immer morgens früh in die Uni, um im siebten Stock des Südgebäudes noch vor dem Unterricht eins zwei Std zu lernen. Dort gibt es einige Tische und Stühle und man sieht über das Häusermeer bis hin zum Tokyotower, was mich gerne je nach Sitzpositionen auch schon mal vom Lernstoff abschweifen lässt. Ich sitze dort morgens immer erst eine Weile allein und der einzige, dem ich begegne im Gebäude ist der Hausmeister. Letzten Donnerstag kommt der Hausmeister nun also in diesen Raum mit Tischen und Stühlen, um dort die Müllbeutel zu wechseln. Ich war mir unsicher, ob ich was sagen soll zur Begrüßung, und während ich noch drüber nachdenke, größt er mich mit „good morning“. Ich fange an zu grinsen und sage „ohayou gozaimasu“. Darauf grinst er zurück und macht dann weiter seine Arbeit. Nach einiger Zeit kommt er in den Raum zurück und fragt mich, was ich denn lerne würde, dass ich schon so früh da sitze. Daraufhin unterhalten wir uns kurz und unkompliziert, bis wir uns beide wieder unserer Arbeit witmen. Das alles mag für die meisten vielleicht unwichtig oder nicht erwähnenswert klingen, aber gerade so kleine Gespräche mit Fremden, die ohne Scheu und ohne übertriebenes Loben meines Japanischen mit mir sprechen, erheitern mir unheimlich den Tag. Und andersherum glaube ich auch, dass ich ihm eine Freude gemacht habe, indem ich mich auch mit ihm ganz ungezwungen geredet habe, wo er doch sonst immer nur durch die Mengen von reichen Keio-Studenten durchläuft. Seitdem habe ich ihn zweimal gesehen und beide male gegrüßt, wovon er überrascht war (beim ersten mal war ich mit Freunden unterwegs).

Diesen Dienstag war dann folgendes: Also, ich geh jeden morgen um ca halb 9 in den kleinen Convinience Store auf dem Weg zur Uni und kaufe mir eine Flasche Wasser und irgendeine Art Brötchen (bzw süßes Brotähnliches etwas…). Der Laden ist morgens immer total überfüllt von ähnlichen Frühstückskäufern wie mich, die auf dem Weg zur Arbeit nur schnell da rein springen. Es gibt fünf Kassen auf einer Theke aneinandergereiht, obwohl der Laden so klein ist. Und diese Kassen sind jeden morgen voll besetzt und eigentlich huscht man da auch nur schnell hin, bezahlt und wechselt eigentlich auch nie viel Worte, weil hinter einem ja eine Schlange ist. Ansolchen Kassen arbeiten nur Nebenjobler im Normalfall. Im Fall von diesem einem Convinience Store (auf japanisch: Kombini) steht dort immer eine kleine Oma, die einen nett mit einem Lächeln begrüßt, das junge Mädel mit der zu großen Brille, die nie in Stress gerät, der Typ, der definitiv Student ist, eigentlich total unmotiviert ist, es sich aber mit aller Macht nicht versucht anzumerken, der Typ, von dem ich glaube, dass er der Geschäftsleiter ist, und ein schlacksiger junger Japaner, der, hoho, größer ist als ich und wahrscheinlich auch so in meinem Alter oder vll was jünger. Nun, ich schätze, inzwischen kennen sie mein Gesicht (die riesen Ausländerin, die jeden Morgen eine Flasche Wasser und was Süßes kauft). Und eigentlich fast jeden morgen merke ich, wie dieser schlacksige ungewöhnlich große Japaner vergeblichst unbemerkt in meine Richtung schaut, wenn ich reinmaschiere, obwohl er bei dem Trubel eigentlich keine Zeit dazu hat. Ich komme auch nur selten an seine Kasse (ist ja schließlich ähnlich wie Glücksspiel) und wenn, sage ich eigentlich immer nur, dass ich keine Tüte brauche und das wars. Bis gestern (obwohl man das auch nicht wirklich als Gespräch bezeichnen kann *lach*). Nun, zwei Kassen werden gleichzeitig frei und ich geh also nach hinten durch zur Kasse von diesem besagten Jungen. Er grüßt wie immer, wobei er mich nicht direkt anschaut und ich ihn nicht, weil man das irgendwie nicht macht hier, und während ich meine Sachen auf den Thresen lege, frage ich, ob ich auch mit meiner Bahnkarte bezahlen kann. Die Sache mit diesem Bahnkart-Bezahlen ist, dass da so ein Feld vor der Kasse ist, wo man die Karte drauf legt und es dann piept und dann wird das Geld von deinem Bahnticket sozusagen abgezogen. Ich schaue also Richtung dieses Feldes beim Hinlegen meiner Sachen, weil ich ihn ja nicht direkt anschauen kann/mag, frage Besagtes, was er bejaht und mit einer heftigen und total umständlich Bewegung das Feld zuhält, weil er die Sachen ja noch nicht gebongt hat. Da mir ja klar ist, dass er die Sachen erst bongen muss, bevor ich bezahle, seine Verrenkung einfach zu witzig war und ihm das im gleichen Moment auch alles auffällt, fangen wir total an zu lachen und haben uns dann auch Tatsache angesehen und herzlich ehrlich angelacht. Ich habe es dann auch geschafft, im richtigen Zeitpunkt zu bezahlen, meinte nur noch kurz grinsend, dass meine Frage sich danach richtete, ob die Möglichkeit überhaupt besteht mit der Bahnkarte zu zahlen und musste dann auch schon Platz für den nächsten machen.
Also, das ganze nicht falsch verstehen. Das alles hat nichts mit amorösen oder ähnlichen Dingen zu tun. Der Moment, wo das Eis so ein bisschen gebrochen war (grundsätzlich sind ja viele Japaner erst mal unsicher gegenüber Ausländern, weil sie Angst haben, Englisch sprechen zu müssen, oder das wir Ausländer irgendwelche Abläufe nicht verstehen) und wir so gelacht haben, bringt mich nur bis gerade noch zum lächeln und hat mich den ganzen Tag hindurch trotz lernen aufgeheitert.

Und als letztes eine kurze Szene aus der Bahn heute morgen. Ich schaffe es eigentlich meistens mir nach eins, zwei Stationen, einen Sitzplatz zu ergattern, auf dem ich dann die restlichen 25 min lernend verbringe und den immer voller werdenden Zug einfach ausblende. Ich nehme meistens noch nicht mal mehr die zusammengequetschten Anzugträger um mich herum wahr. Allerdings ragen meine Stampfer auch beim sitzen etwas weiter in den Gang rein als bei den Kurzbeinigen Japanern und so kommt es oft vor, dass Leute nicht anders können, als ihre Taschen gegen meine Beine zu halten oder ihre eigenen Beine. Das registriere ich, lasse mich davon aber nicht weiter stören. Heute merke ich jedoch, eigentlich vertieft in meinen Lernstoff, dass die Knie, die sich gegen meine pressen, irgendwie nachgeben. Und als ich hochschaue, sehe ich, wie der ältere Mann im Anzu vor mir, langsam zusammensackt, allerdings nicht hinfällt, weil der Zug ja so voll ist. Ich halte ihn also an den Armen fest und sage: Geht es Ihnen gut. Moment setzen Sie sich. Die ganzen herumstehenden Japapner, aufgeschreckt von der auf einmal Japanisch sprechenden Ausländerin (manchmal sind die Japaner echt dämlich), realisieren dann, dass der arme Mann von der Hitze und dem ganzen Gequetsche kurz vorm Zusammenbruch steht und helfen mir, ihn auf meinen Platz zu hiefen, was bei der Menschenmenge nicht einfach war. Der Mann hat sich dann zum Glück schnell wieder erholt und konnte ein paar Stationen später austeigen, wobei er sich noch flüchtig bei mir bedankt hat.

Ich schätze, dass es hier mehr oder weniger Alltag ist, dass Menschen im Zug zusammenklappen und so war nur ich mehr besorgt, um den Mann dort, während es für die Leute um mich herum zur einfach Realität gehört, dass sowas passiert. Daran sieht man, wie relativ Realität ist und wie sehr wir doch in unseren Empfindungen und Denkensweisen von unserem Umfeld und den Dingen, an die wir gewöhnt sind, beeinflusst werden. Was haben nun die drei Ereignisse gemeinsam? Ohne zu weit ausholen zu wollen, muss ich nochmal kurz darauf verweisen, dass man in Japan nicht wie wir in Deutschland an Ausländer gewöhnt ist. Das heißt, viele kennen andersaussehende Leute nur aus dem Fernsehen und haben vielleicht noch nie mit einem Ausländer gesprochen, wohingegen wir daran gewöhnt sind, das bröckelige Deutsch von nicht Deutschmuttersprachlern zu verstehen und schon im Kindergarten mit anderen Kindern aus verschiedenen Herkunftsländern zu spielen. Ich glaube natürlich nicht, dass die drei Männer das erste mal mit einer Ausländerin überhaupt gesprochen haben. Aber trotzdem beeinflusst jeder Kontakt mit uns „nicht-Japanern“ das Bild und die Meinung über die Welt außerhalb des Inselstaates, was uns somit zu klitzekleinen Botschaftern macht, die ohne viel Diplomatie, aber mit einem Lächeln oder einem guten Wort viel in einem einzelnen beeinflussen können. Und auch wenn ich keinen deutschen Abend organisiere oder die Uni Bonn in den Himmel preise, finde ich doch, dass ich auf eine gewisse Art Verantwortung übernehme. Und es ist doch im Endeffekt egal, dass die Leute nicht wissen, dass ich Deutsche bin oder aus Bonn komme. Es ist doch viel wichtiger, dass sie erfahren, dass man mit uns lachen kann, mit uns befreundet sein kann und wie unterschiedlich wir oder unsere Realitäten auch sind, man trotzdem zusammen leben und viel mit einander teilen kann.

Und ich für meinen Teil hab aus allen drei Begegnungen nur Positives mitgenommen. Seit dem Gymnasium habe ich kennen Hausmeister mehr gekannt geschweigedenn gergüßt und das ganze gibt der Uni hier irgendwie was Heimiliges, dass ich zumindest einen von denen außer den Lehrern kenn *lach*. Der Junge im Kombini ist einfach putzig und die Situation war einfach urkomisch und hat meinen Tag trotz Lernstress echt aufgeheitert. Ich werde ihn jetzt immer grüßen, wenn ich nochmal an seine Kasse komme. Und natürlich bin ich nicht froh, dass der Mann da heute morgen zusammengesackt ist. Aber ich bin froh, dass ich doch so schnell reagiert habe und ich alles so gemacht habe, so wie es meiner Moral entspricht und nicht irgendwas nicht oder zu spät getan habe und mich nachher über meine Bescheuertheit ärgere.

Es sind in meinem Fall wirklich die kleinen Dinge im Leben, die mich zum nachdenken bringen und mir viel für den Alltag geben.

Im diesen Sinne,

eure GORILAura

 

Ein frohes Neues Jahr 3. Januar 2012

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 10:04 am

Hallo ihr Lieben in Deutschland!

Nachträglich frohe Weihnachten und ein gseundes neues Jahr 2012 wünsche ich wirklich jedem von euch von Herzen!

Nun, hier ein bisschen was dazu, was ich den letzten Monat getrieben habe. Da hätten wir zunächst meinen Geburtstag. Ich habe festgestellt, dass man an seinem Geburtstag umsonst auf den Tokyo Tower steigen kann! Deshalb habe ich mich nach einem langen Unitag mit Lars und Stephi aufgemacht, von meinem Campus durch die kalte Winterluft bis zum Tokyo Tower zu stapfen. Von dort aus haben wir dann den Ausblick über das nächtliche Tokyo genossen. …Gerade im Winter finde ich Tokyo echt trist und kalt. Es gibt nicht viel Grün, man ist immer umgeben von Menschen, die irgendwo hin müssen und es fällt schwer zu Ruhe zu finden. Ehrlich, ich kann manchmal nicht verstehen, wie jemand behaupten kann, hier in Tokyo leben zu wollen. Allerdings hat mich das Schicksal schon zum zweiten mal hier in diese riesige Stadt gebracht, ich habe hier viele sehr wichtige Menschen für mich getroffen und auch wenn ich es nie gedacht hätte, dass ich es lange in einer Umgebung aushalten könnte, in der man so mit der Menschenmasse verschwindet, so muss ich mir doch eingestehen, dass ich Tokyo irgendwie doch liebe. Gerade an so Orten wie der Tokyo-Tower, der an sich einfach schon etwas Magisches hat, oder der Ausblick von selbigen, in dem sich das Lichtermeer der Hochhäuser mit den Lichtern am Himmel treffen, weil die Stadt einfach über den Horizont hinausreicht, bin ich dann doch irgendwie gefangen von dieser Stadt. Und das obwohl hier nach der Zeit, die ich hier schon verbringen durfte, mir vieles schon sehr alltäglich und überschaubar vorkommt.

Nachdem wir ein wenig Zeit im Tokyotower verbracht haben, sind wir dann weiter zum Tokyo Mid Town Park, der für seine Weihnachtsbeläuchtung berühmt ist. Diese ist auch wirklich gewaltig… Obwohl ich sagen muss, dass ich einfach nicht verstehen kann, warum die Japaner immer die Baumstämme anstatt die Baumkronen schmücken…

Hier ein paar Eindrücke

Dann hätten wir noch die aufwendig beleuchtete Wiese in dem besagten Park (gesponsert von Emirates XD) Unter dem folgenden Link könnt ihr ein Video sehen, das wesentlich mehr aussagekräftig ist, als alle Fotos, die ich gemacht hab … http://www.youtube.com/watch?v=jwES92aiUtI&feature=related

Nachdem wir uns das alles angesehen haben, sind Stephi und ich weiter nach Yokohama gefahren, wo wir dann mit Freunden bis ca 4Uhr mit Bier, Kuchen und Gesellschaftsspielen die Nacht verbracht haben. Eigentlich hatte ich vor mit dem ersten Zug heim zu fahren (da nach 12 keine Züge mehr fahren ist das jeweils die nächste Möglichkeit), bin aber dann doch wie alle auf dem Boden eingeschlafen und wir haben dann einen etwas späteren Zug genommen.

Alles Gute zum Geburtstag Lau-chan (*^_^*)

Am selbigen Tag hatte ich dann auch Probe. Und da bin ich natürlich hin. Ich muss schon sagen, dass gerade die letzten Wochen vor unserem Konzert sehr anstrengend waren. Viele viele Proben, viel Kritik, die wir umsetzen mussten und dazu noch Dinge, die man neben dem Singen auch noch organisieren muss.

Aber,,, dieses Konzert war wirklich eins der großartigsten Dinge in meinem Leben. Als ich am Tag vorher in die Halle getreten bin, hat es mir einfach den Atem verschlagen. 1400 Plätze, Lichtanlage, Backstage und und und. Und nachdem wir den Tag mit Generalproben und Vorbereitungen verbracht haben und ich dank 2Wöchiger Diät auch in den geliehenen Rock reingepasst habe, stand ich dann auf einmal mit schwarzer Mappe vor der Bühnentür, sehe an den Monitoren rechts, die mit 800 Menschen ziemlich volle Halle und alle um mich herum sind ganz wibbelig und voller Vorfreude. Und meine lieben Freunde, das Gefühl, dann auf die Bühne zu treten, ins volle Scheinwerferlicht und dieses Meer an Menschen applaudiert ist einfach der Wahnsinn. Ich habe jedes Wort der Lieder, die wir vorgetragen haben, aus vollem Herzen gesungen, die ganzen Menschen um uns herum sind einfach verschwommen und der Dirigent hat uns durch die ganzen Lieder geführt wie ein Reiseleiter. Es klingt alles total kitschig (verzeiht mir das!), aber es war wirklich einfach der Wahnsinn und unglaublich schön!

Nach dem 3stündigen Konzert sind wir dann direkt zur Reception, wo wir mit dem Dirigenten, den Gesangslehrern, den Musikern und noch ganz vielen anderen unsere Erfolg gefeiert, getrunken und gegessen haben, um dann mit dem letzten Zug in ein Ryokan (japanisches Hotel) zu fahren. Dort haben wir dann bis morgens die Viertsemester verabschiedet, da dies ihr letztes Konzert war.

Der nächste Morgen war sehr sonnig und frisch, als ich nach einer Nacht ohne Schlaf dann in Richtung Uni bin, um einen Test zu schreiben 😀 Aber da ich immer noch ganz verzaubert war von diesem Erlebnis und überglücklich, das alles mit meinen neu gefundenen Freunden erlebt zu haben, waren die drei Std Uni dann auch vollkommen ok und am folgenden Tag konnte ich ja auch endlich die Weihnachtsferien einleiten.

Weihnachten habe ich in der WG bei meinem Freund Lars verbracht. Ich war auf einem Weihnachtskonzert und ansonsten habe ich bis eiunschließlich Silvester einfach mal garnichts gemacht. Ich bi nspazieren gegangen oder hab Filme gesehen und hab es mir einfach gut gehen lassen. Neujahr ist das wichtigste Fest in Japan und ähnlich wie bei uns Weihnachten trifft man sich mit seiner Familie, isst viel und verbringt 3 schöne Tage. Ich habe mich mit einem alten Freund getroffen, der vor zwei Jahren in der Nähe von Bonn an einer Kunsthochschule studiert hat, wir sind zusammen ins Museum und haben dann den traditionellen ersten Schrein-Besuch in diesem Jahr gemacht. und obwohl wir an einem kleinen Schrein in der Nähe von Yokohama waren haben wir eine halbe Stunde angestanden. ^^ Danach hab ich noch einen Glücksbringer fürs neue Jahr gekauft und eine Art Orakel „Omikuji“ gezogen, das mit Glück und Geldseegen fürs neue Jahr verspricht.  Also drückt mir mal alle für meine Nebenjob-Suche die Daumen oder dass es dem Euro bald wieder besser geht…

Hab ich schon erwähnt, dass an den drei Neujahrs-Feiertagen hier sogar die Geldautomaten aus sind? Wenn die Japaner frei machen, dann aber richtig 😉 Daher auch das Bild oben von dem leeren Zug… Ein Zustand, der sich einem hier nur wirklich SEHR selten bietet.

Gestern bin ich dann noch spontan zum Kaiserpalast und hab eine der Ansprachen des Tennos gehört. Dieser hält einmal die Stunde eine 80-Sekunden-Rede. Gleichzeitig ist das die einzige Möglichkeit zumindest mal bis in den Schlossgarten des Kaiserpalastes vorzudringen. Wie ihr seht, waren da auch noch sehr viele andere Menschen und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal jemals machen würde (weil ich sowas eigentlich lächerlich finde). Aber es war wirklich nett, ich find den Tenno immer noch putzig und hab ihn von fast ganz nah gesehen. Außerdem war es irgendwie schön in der Menge zu stehen, die alle gemeinsam „banzai“ rufen und die nach dem schicksalsreichen letzten Jahr auf ein gutes 2012 hoffen…

Es gäbe noch so viel zu schreiben, aber das ganze ist hier schon viel zu lang. Vielleicht ein letztes noch: Ja, ich habe das Erdbeben mitbekommen (es wackelt halt, wie sollte man das nicht mitbekommen ^^), aber wenn wir alle was aus dem letzten Jahr gelernt haben sollten, dann ist das, dass die deutschen Medien echt schrecklich sind und alles total übertreiben. So lange ihr also nichts von Verletzten oder Toten hier hört, könnt ihr davon ausgehen, dass es mir gut geht und alles nur halb so wild war. Ich muss zwar gestehen, dass es das stärkste Beben war seitdem ich hier bin (und es hat schon einige male gebebt) und auch die Gesichter der Leute um mich herum, die leicht besorgt waren, ob da noch was heftigeres hinterher kommt, habe ich so auch zum ersten mal gesehen (ich meine im Vergleich zu früher, wo ein Erdbeben dieser Stärke mehr oder weniger normal war und alle nach den paar Sekunden Ruckeln einfach wieder weitergemacht haben), aber im Großen und Ganzen hatte ich es nach 10Sekunden auch schon wieder vergessen und ich glaube, hier war es noch nichtmal in den Nachrichten und wenn, dann nicht groß.

Nun denn. Lasst es euch gut gehen da drüben. Bleibt gesund und macht das beste aus dem neuen Jahr!

In acht Monaten habt ihr mich wieder 😉

Liebe Grüße,

Gorilaura

 

Der Chor und ich… 11. Dezember 2011

Filed under: Uni und Alltag — loerchen @ 3:50 am

Eigentlich nur ein ganz kurzer Eintrag dazu.

Wie jetzt ja schon mehrfach berichtet, bin ich ja in einen Chor eingetreten, der momentan auch so ziemlich mein Freizeit-Leben bestimmt. Wir proben drei mal die Woche und kommen somit auf momentan auf ungefähr 10std die dafür drauf gehen, plus Einzelstunden, wo nur ich „trainiert“ (weil ich halt noch hinterherhänge) werde, und sonstige Aktivitäten. Das Schöne an so Uni-Clubs ist, dass sie wie ein großer Freundeskreis arbeiten. Man macht viel zusammen und findet so Freunde, da es sonst auch ziemlich schwierig ist, bei so einer großen Stadt wie Tokyo, sich regelmäßig zu treffen (Fahrzeiten von einer Std sind nicht selten und somit ist mal eben Kaffee trinken „in der Stadt“ mit neuen Bekannten nicht so einfach).

Eine dieser Aktivitäten war, dass wir letzte Woche Gyoza (gefüllte Teigtaschen) selbst produziert und gegessen haben. Dazu wurden die Küche und ein gemütlicher Raum in einem Gemeindezenter angemietet, zu dem ich dann mit einem Großteil der Chormitglieder nach der Probe letzte Woche Samstag aufgebrochen bin.

Es war sehr witzig und eigentlich würde es sich auch lohnen, das Trinkverhalten der Japaner in Detail zu beschreiben, aber ich belasse es einfach mal bei Bildern 😉

Es war sehr lecker, wir haben viel getrunken und es gab unendlich viele Trinkspiele usw.  Zum Scluss haben die Jungs noch Trinklieder angestimmt, die ziemlich cool waren. Da ich es aber gerade nicht geschafft hab, ein Video davon hochzuladen, versuche ich das einfach später nochmal…

Liebe Grüße,

et Gorilaura